AUA zittert vor Bruchlandung
Wien, Innsbruck – Der AUA geht es finanziell schlecht. Sehr schlecht. „So können wir nicht mehr weitermachen“, spricht Unternehmenssprecher Michael Braun Klartext, der Fluggesellschaft wachsen die Kosten über den Kopf. „Wir brauchen dringend ein umfassendes und nachhaltiges Reformpaket“, sagt Braun.
AUA-Vorstandschef Jaan Albrecht verhandelt derzeit unter Hochdruck mit dem Flughafen Wien, der Austro Control und Lieferanten über Kostensenkungen. Bei der Belegschaftsvertretung beißt Albrecht aber auf Granit. Obwohl der Personalstand seit der Übernahme durch die Lufthansa vor zweieinhalb Jahren von 8000 auf 6000 Mitarbeiter gesunken ist, konnten die Personalkosten nicht gesenkt werden. Alte Verträge von Piloten und Flugbegleitern ließen die Kosten jährlich unverhältnismäßig ansteigen, heißt es von Seiten des AUA-Managements.
AUA-Zentralbetriebsratschef Alfred Junghans ist anderer Meinung: „Die Mitarbeiter haben schon so viel zur Sanierung beigetragen“, sagt er, „sie sind ausgeblutet und können nicht noch mehr abgeben.“ In der Belegschaft sind die Pleiteängste nach dem Aus der spanischen Fluggesellschaft Spanair, der ungarischen Malev und den Turbulenzen bei der Tiroler Welcome Air und deren Südtiroler Tochter Air Alps weiter gewachsen. Der Betriebsrat warnt sogar davor, dass die AUA gezielt in die Insolvenz gesteuert werden könnte, um Privilegien in den Verträgen kappen zu können. Seiner Ansicht nach sollte vor allem im „Paralleluniversum“ der in Innsbruck ansässigen Kurz- und Mittelstreckentochter Tyrolean der Sparhebel angesetzt werden. Beim Flugbetrieb und bei der Technik müssten Doppelgleisigkeiten beseitigt werden, fordert Junghans.
Die AUA muss heuer mindestens 220 Mio. Euro einsparen und in der Gewinnzone landen. Der Druck von Seiten der Lufthansa ist groß. Mehr als eine Milliarde Euro hat die AUA in den vergangenen fünf Jahren in den Sand gesetzt.
Von der Konzernmutter ist keine Finanzhilfe zu erwarten: Die Lufthansa selbst hatte erst Anfang der Woche den Startschuss für ein 1,5 Milliarden Euro schweres Sparpaket gegeben. Konkrete Auswirkungen auf die österreichische Tochter sind noch offen. Lufthansa-Boss Christoph Franz hatte aber bereits angekündigt, dass die Töchter Teile ihrer Eigenständigkeit aufgeben müssten. „Die Lufthansa hungert uns aus“, kritisiert Junghans.
Heute findet ein Kassensturz statt. Bei der Sonder-Aufsichtsratssitzung soll Stefan Lauer, AUA-Aufsichtsratschef und Lufthansa-Vorstand, klarstellen, wohin die Reise mit der AUA auf Wunsch der Konzernmutter gehen soll. (bea)


