09.02.2012, 13:02  Aktualisiert: 09.02.2012, 13:21 
Atomstreit

Iran: EU bittet Indien um Hilfe

Indien solle seinen beachtlichen Einfluss auf den Iran nutzen, um die Führung in Teheran davon zu überzeugen, das Atomprogramm aufzugeben.
Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad bei einer Inspektion im Atomreaktor Natanz.
Foto: AP

Neu-Delhi - Die Europäische Union will Irans wichtigen Handelspartner Indien in die Lösung des Atomstreits einbinden. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy kündigte in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der „Times of India“ an, er werde sich mit dem Anliegen an die indische Führung wenden. Indien solle seinen beachtlichen Einfluss auf den Iran nutzen, um die Führung in Teheran davon zu überzeugen, das Atomprogramm aufzugeben und an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sagte Van Rompuy der Zeitung.

Die USA und die EU haben ihre Sanktionen gegen die Islamische Republik jüngst verstärkt, in der Hoffnung das Land im Atomstreit zum Einlenken zu bringen. Die Sanktionen scheinen sich mittlerweile auch auf die Versorgung des Landes mit Lebensmitteln und Palmöl auszuwirken.

Indien ist ein wichtiger Handelspartner des Landes: Der Subkontinent importiert zwölf Prozent seines Öls aus dem Iran. Die USA und die EU machen nun angesichts des von ihnen verhängten Ölembargos gegen den Iran Druck auf Indien, sich alternative Ölquellen zu suchen. Bislang hat Indien sich aber nicht bewegt. Vielmehr lotet das Land Möglichkeiten aus, wie es den Handel fortführen kann, ohne dabei die bestehenden Wirtschaftssanktionen zu verletzen.

Amerikaner für hartes Vorgehen

In einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov haben sich 44 Prozent der Amerikaner für eine Bombardierung iranischer Atomanlagen ausgesprochen, sollte das Land tatsächlich nach Atomwaffen streben.

Auch 37 Prozent der Dänen sprachen sich für diese aggressive Methode aus. Nur 18 Prozent der Deutschen stimmten für die Bombardierung. Von den Befragten aus dem Mittleren Osten lehnen 66 Prozent einen Angriff ab, 20 Prozent würden ihn unterstützen.

Befragt wurden 8757 Menschen aus Großbritannien, Deutschland, Finnland, Schweden, Dänemark, Norwegen, den USA und dem Mittleren Osten.

Härtere wirtschaftliche Sanktionen würden die wenigsten Befragten ablehnen. In den USA wären 12 Prozent dagegen, in Deutschland 19. Unentschieden sind in dieser Frage nur die Befragten aus dem Mittleren Osten: 44 Prozent wären für schärfere wirtschaftliche Sanktionen, 43 Prozent dagegen.

Die meisten Befragten gehen davon aus, dass die Urananreicherung im Iran nicht ausschließlich friedlichen Zwecken, sondern auch der Atomwaffenproduktion dient. 74 Prozent der Deutschen und 64 Prozent der Amerikaner teilen diese Ansicht. Der niedrigere amerikanische Wert ergibt sich daraus, dass mit 29 Prozent vergleichsweise viele Amerikaner bei dieser Frage die Antwort „Ich weiß es nicht“ gaben. Nur 7 Prozent glauben demnach den Beschwichtigungen der Iraner. (APA/Reuters)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 09.02.2012  13:02
aktualisiert: Do, 09.02.2012  13:21
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