10.02.2012
Österreich

„Neue Mittelschule“ bringt mehr soziale Fairness

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Falle Bildungsarmut

Wien – In Österreich hängt die Bildungslaufbahn überdurchschnittlich stark vom sozialen Hintergrund ab. Im Bericht „Equity and Quality in Education: Supporting Disadvantaged Students and Schools“ appelliert die OECD an Österreich, bereits begonnene Reformen voranzutreiben und benachteiligte Schüler stärker zu unterstützen, um für mehr soziale Fairness zu sorgen. Die Empfehlungen: „Neue Mittelschulen“ für alle, kein Sitzenbleiben mehr, Abschaffen der freien Schulwahl durch die Eltern und Ausbau der Bildungs- und Berufsberatung.

Zwar würden nur wenige die Schule abbrechen, im europäischen Vergleich steht Österreich beim Anteil der frühen Schulabbrecher gut da: Nur 8,3 Prozent der 18- bis 24-Jährigen haben maximal Pflichtschulabschluss und befinden sich nicht mehr in Ausbildung, das EU-Ziel liegt bei zehn Prozent bis 2020. Die meisten Schulabbrecher kommen laut OECD aber aus armen oder bildungsfernen Familien oder haben Migrationshintergrund. „Das ist ein soziales und bildungspolitisches und nicht ein migrantisches Problem“, betont Grünen-Integrationssprecherin Alev Korun. Sie fordert eine politische Strategie zur Verringerung der Zahl früher Schulabgänger.

Dabei sei das Risiko, zum frühzeitigen Bildungsabbrecher zu werden, in Österreich stark sozial ungleich verteilt, wie eine Untersuchung von Mario Steiner vom Institut für Höhere Studien (IHS) von Betroffenen zwischen 15 und 24 Jahren zeigt. Sind die Eltern arbeitslos, ist das Risiko für Bildungsarmut dreimal so hoch, wie wenn die Eltern beschäftigt sind.

Als einen Grund für die soziale Ungleichheit nennt die OECD die Selektion der Schüler bereits mit zehn Jahren, was bei jenen, die in eine weniger angesehene Schulform eingeteilt werden, zu Demotivation führe. Die Einführung der „Neuen Mittelschule“, die die Hauptschule flächendeckend ersetzen soll, sei „ein erster Schritt“ in Richtung längeren gemeinsamen Lernens. „Die Reformen lassen allerdings die allgemein bildende höhere Schule außen vor, was die Chancengleichheit an österreichischen Schulen weiterhin beeinträchtigt“, zeigt die OECD sich nicht ganz zufrieden.

Zu Verbesserungen der Chancengleichheit würde laut OECD das Abschaffen von Klassenwiederholungen beitragen. Derzeit ist der Anteil der 15-jährigen Österreicher, die mindestens eine Klasse wiederholt haben, etwa doppelt so hoch wie im OECD-Schnitt. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 10.02.2012
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