10.02.2012
International

Eiseskälte heizt dem Strommarkt ein

Die Kältewelle lässt den Energieverbrauch in Europa explodieren. AKW-Aussteiger Deutschland hilft den Franzosen aus, muss aber zugleich in Österreich Strom zukaufen. Am Balkan wird Energie bereits rationiert.

Berlin, Paris, Linz, Budapest – Wegen der klirrenden Kälte war das österreichische Stromnetz Anfang dieser Woche so hohen Belastungen ausgesetzt wie nie zuvor. Zu den Tageszeiten mit dem höchsten Verbrauch wurden Lastspitzen von 10.000 Megawatt (MW) erreicht, rund 15 Prozent mehr als sonst im Winter. Das Netz sei aber nach wie vor stabil, wird bei der Verbund-Übertragungsnetztochter Austrian Power Grid (APG) betont, es gebe sogar noch Spielraum.

So gut geht es anderen Ländern nicht. Zum Erhalt der Netzstabilität hat etwa Deutschland Strom aus Ersatzkraftwerken angefordert. So wurden neben einem Kohlekraftwerk in Mannheim das steirische Ölkraftwerk Neudorf-Werndorf und die niederösterreichischen Gaskraftwerke Theiß und Korneuburg angezapft.

Deutschland verbraucht allerdings nicht den ganzen Strom selbst – im Gegenteil. Ausgerechnet der Aussteiger aus der Atomkraft beliefert in den vergangenen Tagen vermehrt den großen Atomstromproduzenten Frankreich. Grund für die Notlage des sonstigen Energieexporteurs: Im Land der Kernenergie wird hauptsächlich mit Strom geheizt. So kann der Bedarf nicht mehr mit eigenen Kraftwerken gedeckt werden, und das trotz derzeit 55 Atomkraftwerken, die eine Leistung von rund 60.000 Megawatt haben. Wegen der Engpässe war der Strombörsenpreis in Frankreich zuletzt mit 34 Cent je Kilowattstunde fast dreimal so hoch wie in Deutschland.

In Serbien wurden wegen der extremen Kälte gestern Stromrationierungen eingeführt. Betroffen sind große Unternehmen, die keine strategische Bedeutung haben. Damit wollen die Behörden verhindern, dass die Versorgung zusammenbricht. Die Gasvorräte reichen noch für 20 Tage. In Novi Sad in der Voj­vodina und in Negotin an der Grenze zu Rumänien wurden am Donnerstag in der Früh minus 27 Grad registriert, die bisher tiefsten Temperaturen in diesem Winter.

In der bosnischen Stadt Mostar waren rund 15.000 Haushalte am dritten Tag in Folge ohne Strom.

In Bulgarien mussten Dutzende Kleinstädte und Dörfer ohne Strom auskommen – vielerorts waren die Leitungen beschädigt. An den Schulen gab es landesweit Kälteferien.

Ungarn greift derzeit auf einen ganz außergewöhnlichen Zusatzbrennstoff zurück. Die ungarische Zentralbank schenkt die jährlich aus dem Verkehr gezogenen alten Banknoten Hilfsorganisationen zum Heizen. Besonders bei der derzeitigen Kältewelle ist die seit Jahren praktizierte Beihilfe willkommen. Anfangs wurden die alten Scheine einfach verfeuert, inzwischen verfügt die Bank in ihrem Logistikzentrum über eigene Maschinen, um die Scheine nach dem Schreddern zu Briketts zu pressen. Deren Brennwert sei dem von Braunkohle vergleichbar, sagte Logistikchef Barnabás Ferenczi.

Jedes Jahr zieht die ungarische Zentralbank rund ein Viertel aller Forint-Scheine aus dem Verkehr und ersetzt sie durch frisch gedruckte Noten. Statt die alten Scheine zu entsorgen, gehen nun jährlich rund 200 Milliarden Forint (umgerechnet 800 Millionen Euro) für einen guten Zweck in Flammen auf – oder umgerechnet rund 40 bis 50 Tonnen Briketts. (dpa, APA, Reuters, TT)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 10.02.2012
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum