10.02.2012, 10:44  Aktualisiert: 10.02.2012, 15:16 
Syrien

Gewalt weitet sich aus: Mindestens 25 Tote in Wirtschaftsmetropole

Zwei Bombenanschläge haben die zweitgrößte Stadt Aleppo erschüttert. Während das Staatsfernsehen von Terrorakten spricht, geht die Opposition von einem „schwarzen Theaterstück des Regimes“ aus.
Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden bei den Explosionen mehrere Menschen getötet.
Foto: REUTERS

Damaskus - Bei zwei Bombenanschlägen in der syrischen Stadt Aleppo sind am Freitag nach Medienangaben mindestens 25 Menschen getötet worden. Das Staatsfernsehen berichtete zudem unter Berufung auf das Gesundheitsministerium von 175 Verletzten. Die Sprengsätze waren vor Einrichtungen der Sicherheitskräfte detoniert. Das Staatsfernsehen nannte „bewaffnete Terrorgruppen“ als Urheber. Gegner von Staatschef Bashar al-Assad machten dagegen das Regime für die Anschläge verantwortlich.

Im staatlichen Fernsehen waren Bilder von Trümmern und Blut auf der Straße sowie von Toten zu sehen. Fensterscheiben eines Gebäudes, dem die erste Explosion gegolten hatte, waren zerborsten. Ein Reporter hob Decken und Plastikfolien, die über die Toten gelegt worden waren, in die Höhe und zeigte die zerstückelten Leichen. Ihm zufolge waren auch Kinder unter den Toten. Ähnliche Bilder zeigte das Fernsehen auch von dem Ort der zweiten Explosion.

Regime macht „bewaffnete Terrorgruppen“ verantwortlich

Die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete, die Terroranschläge hätten einem Gebäude des Militärgeheimdienstes und dem Sitz der Ordnungspolizei gegolten. Es habe mehrere „Märtyrer“ gegeben. Das Staatsfernsehen nannte „bewaffnete Terrorgruppen“ als Urheber, womit Regimegegner gemeint sind.

Assad-Gegner machten dagegen das Regime für die Anschläge verantwortlich. Sie erklärten unter Berufung auf Anrainer, die vor den Explosionen verdächtiges Verhalten der Sicherheitskräfte beobachtet haben wollen: „Dies ist ein weiteres schwarzes Theaterstück des Regimes.“ Die Regierungstruppen hätten nach den Detonationen jeweils mehrere Schüsse abgegeben, um den Eindruck zu erwecken, es habe ein Gefecht zwischen ihnen und den „Terroristen“ stattgefunden.

Erneut Dutzende Tote in Homs

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, in der Provinz Homs, die seit Tagen unter Beschuss steht, seien am Donnerstag 63 Getötete geborgen und identifiziert worden. Andernorts in Syrien hätten die Truppen des Regimes mindestens zwölf Zivilisten getötet.

Unterdessen zog die Führung im Nachbarland Libanon Truppen an der Grenze zu Syrien zusammen. Zuvor war berichtet worden, über die Grenze würden Waffen nach Homs geschmuggelt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Armeequellen erfuhr. „Mit dieser Maßnahme soll die libanesische Grenze geschützt werden“, hieß es. Ein Augenzeuge berichtete, zahlreiche Soldaten seien Freitag früh an die Grenze beordert worden, wo sie Kontrollpunkte errichtet hätten.

Bei dem seit Monaten anhaltenden Aufstand gegen Assad sind Menschenrechtsgruppen zufolge bereits mehr als 6000 Menschen ums Leben gekommen. Die Angaben aus Syrien können schwer überprüft werden, weil internationalen Journalisten kaum Zugang gewährt wird. Der UNO-Sicherheitsrat hat sich bisher wegen der Weigerung Russlands und Chinas nicht auf eine Resolution zur Verurteilung des gewaltsamen Vorgehens der Anhänger von Staatschef Assad gegen die Opposition einigen können.

Russland gibt Westen die Schuld für Verschärfung des Konflikts

Die russische Regierung sieht die Schuld für die Verschärfung des gewaltsamen Konflikts in Syrien bei den westlichen Staaten. Diese verschlimmerten die Situation in dem Land, indem sie die Opposition unterstützten, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow am Freitag der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS. „Die westlichen Staaten stiften die syrischen Oppositionellen zu kompromisslosen Handlungen an“, kritisierte Rjabkow. Hinsichtlich einer Beilegung der Krise stehe die Opposition in der Verantwortung, das Gespräch mit der syrischen Führung zu suchen. Russland gilt als enger Verbündeter Syriens. (APA/AFP/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 10.02.2012  10:44
aktualisiert: Fr, 10.02.2012  15:16
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