16.02.2012, 15:22  Aktualisiert: 16.02.2012, 20:40 
Lawinen

Mehrere Verschüttete kamen mit Glück glimpflich davon

Zahlreiche Lawinen hielten die Einsatzkräfte am Donnerstag in Atem. Insgesamt wurden sechs Personen in Tirol verschüttet. Alle Lawinenopfer überlebten.
Foto: Polizei St. Anton
     
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Kaltenbach/Ischgl – Heftige Schneefälle, steigende Temperaturen und starker Wind haben die Lawinensituation in Teilen Österreichs extrem verschärft. Die Folge waren mehrere Abgänge von Schneebrettern, unter denen zahlreiche Skifahrer begraben wurden. Besonders dramatisch war die Lage in Tirol, wo allein am Nachmittag einige Lawinen abgegangen sind. Sämtliche Opfer konnten lebend geborgen werden.

Gegen 16.30 Uhr ging in Jochberg bei Kitzbühel eine Lawine ab. Im Bereich des Bärenbadkogel wurde ein Skifahrer einer vierköpfigen Gruppe von den Schneemassen mitgerissen. Die Begleiter konnten den Verschütteten rasch bergen. Er blieb zum Glück unverletzt und konnte das Krankenhaus nach einer kurzen Untersuchung bereits verlassen.

Zehnköpfige Freeskier-Gruppe im freien Skiraum

Mehrere Lawinenabgänge in Ischgl hielten am Donnerstagnachmittag die Rettungsmannschaften in Atem: Gegen 14.30 Uhr ging in Ischgl im freien Skiraum zwischen der Gampenbahn und der Hoellspitzbah eine Lawine ab. Zu diesem Zeitpunkt befand sich ein Gruppe von zehn Profi-Freeskiern aus Skandinavien in dem Bereich. Zwei Fahrer wurden verschüttet.

Laut den Bergbahnen Ischgl waren die Wintersportler sehr professionell ausgerüstet. Die acht nicht Verschütteten konnten den Mann und die Frau in kürzester Zeit finden und bergen. Ein Einsatz der Bergrettung und einer Suchmannschaft war nicht nötig.

Die beiden Verschütteten sind wohlauf. Die Frau wurde zu Untersuchung in die nächste Klinik geflogen.

Die zweite Lawine in Ischgl wurde im Bereich der Palinkopfbahn von einem Snowboardern ebenfalls im freien Skiraum ausgelöst. Der Snowboarder und zwei Skifahrer, die den Hang befuhren wurden nicht verschüttet und nicht verletzt.

Ein weiteres Schneebrett wurde von einer Skiläufererin im freien Skiraum zwischen der Gampenbahn Talstation und der Bodenalpbahn ausgelöst. Die Skifahrerin wurde verschüttet, konnte aber unverletzt von der Pistenrettung geborgen werden.

Lawinen im Zillertal

Auch im Zillertal gingen mehrere Lawinen ab: Im Gemeindegebiet von Kaltenbach ist außerhalb des Skigebietes auf einer Seehöhe von ca. 1500 eine Lawine abgegangen, bei der nach derzeitigem Wissensstand eine Person verschüttet wurde.

Die Skifahrer sind vom Skigebiet aus, abseits der Skipiste im freien Skiraum, in das Tal gefahren und haben in einem Graben nach derzeitigem Wissensstand die Lawine selbst ausgelöst.

Der Tourist aus Argentinien wurde rund einen halben Meter unter den Schneemassen von einem Suchhund gefunden. Über den Gesundheitszustand war vorerst noch nichts bekannt, erklärte ein Bergretter. Er wurde in die Innsbrucker Klinik geflogen.

Währenddessen war am Spieljoch in Fügen ebenso im Zillertal eine weitere Lawine abgegangen. Die Rettungsmannschaften waren am Weg, aber konnten wenig später Entwarnung geben.

Osttirol: Verschütteter befreite sich selbst

Bei einem Lawinenabgang auf der sogenannten Pürgles Gungge (2.500 Meter) in den Villgratener Bergen in Osttirol ist am Donnerstagmittag mindestens ein Tourengeher verschüttet worden. Dieser habe sich ersten Informationen der Bergrettung zufolge selbst befreien können. Die Gruppe bestand aus insgesamt fünf Mitgliedern. Zum Glück blieben alles unverletzt. Jetzt müssten die genauen Umstände noch abgeklärt und der Lawinenkegel nach möglichen weiteren Opfern durchsucht werden.

Das Schneebrett hatte sich kurz nach 12.00 Uhr im Gemeindegebiet von Innervillgraten gelöst. Die Rettungsmaßnahmen gestalteten sich schwierig. Aufgrund des böigen Windes hätten die Hubschrauber nicht landen können, hieß es. Die Suchaktion war vorerst noch im Gange.

Lawinenabgang in Lermoos

Auch in Lermoos konnte sich ein 32-jähriger Tiroler selbst aus einer Lawine befreien. Auf dem Grubigstein bei Lermoos löste der Mann selbst ein Schneebrett aus und wurde teilverschüttet. Mit Hilfe seiner beiden Begleitpersonen konnte er sich selbst leicht verletzt befreien. Der Notarzthubschrauber RK 2 barg den Verletzten und flog ihn ins Bezirkskrankenhaus Reutte.

Verschütteter bei Erkundungsflug entdeckt

Bei einem Erkundungsflug entdeckte die Crew des Notarzthubschraubers Martin 2 im freien Skiraum bei Obergurgl einen Lawinenkegel, auf dem zwei Skier gesichtet wurden.

Ein abgesetzter Flugretter konnte mit Hilfe eines Suchgeräts in kurzer Zeit einen 25-jährigen Tiroler ausgraben. Er wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Klinik Innsbruck geflogen.

St. Christoph am Arlberg: Lawine verschüttet Hotelzufahrt

Eine Lawine hat am Donnerstagvormittag eine Hotelzufahrt in St. Christoph am Arlberg verschüttet. Von den Schneemassen ist niemand getroffen worden. „Es wurde mehrmals sondiert“, teilte ein Polizist der APA mit. Die Suche wurde gegen 11 Uhr ergebnislos abgebrochen. Rund 40 Mann der Bergrettung, Freiwilligen Feuerwehren, Pistenrettung, Polizei sowie Suchhunde standen im Einsatz.

Entgegen ursprünglichen Meldungen sind die Schneemassen lediglich auf eine private Zufahrtsstraße abgegangen und haben diese rund 2,50 Meter verschüttet. Das Hotel wurde nicht erfasst.

Die Schneemassen hatten sich kurz nach 9.00 Uhr von einer Böschung gelöst und die Hotel-Zufahrtsstraße verschüttet. (tt.com, APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 16.02.2012  15:22
aktualisiert: Do, 16.02.2012  20:40
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