17.02.2012, 11:14  Aktualisiert: 24.02.2012, 02:02 
Tirol

Nordafrikaner flüchten wegen Rivalitätskämpfen nach Bozen

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – In der Innsbrucker Drogenszene scheinen sich derzeit brutale Rivalitätskämpfe abzuspielen und die seit Jahren regierenden nordafrikanischen Drogenhändler erstmals in Bedrängnis zu kommen. So ziehen sich viele von ihnen erstmals wieder über die Grenze in den Süden zurück.

Grund ist jedoch letztlich nicht die Innsbrucker Polizei – die aufgrund beschränkter rechtlicher Handhabe die meisten der Dealer nur von einem Stadtviertel in das andere oder kurz ins Gefängnis treiben konnte –, sondern die oftmals blutig ausgetragene Rivalität zu heimischen Drogenhändlern türkischer Abstammung.

Zahlreiche Prozesse des letzten und heurigen Jahres belegen die meist mit Messern ausgetragenen Kämpfe in der Innsbrucker Innenstadt und Teilen der Kranebitter Allee. Erst diese Woche musste sich ein marokkanischer Asylwerber, der im Drogenindex der Polizei kein Unbekannter ist, wegen eines Bauchstiches auf einen Landsmann verantworten. Dieser schob den Stich jedoch türkischen Angreifern zu, die Jagd auf nordafrikanische Konkurrenten machen würden. Für die Aussage des Marokkaners sprach jedenfalls, dass er seinen Landsmann per Taxi in die Klinik brachte, dort über Stunden bei ihm blieb und einen Dolmetsch organisierte. Das Opfer hat Innsbruck übrigens inzwischen den Rücken gekehrt. „Wie viele von uns ist er nach blutigen Kämpfen mit Türken nach Bozen abgetaucht.“ Innsbruck sei mittlerweile so unsicher, dass sich die aus dem Raum Bologna und Turin nach Tirol eingewanderten Nordafrikaner nun zu Hunderten in Bozen sammeln. Die Dunkelziffer nicht erfasster Gewalttaten dürfte speziell bei diesen beiden Migrationsgruppen hoch sein. Immer wird bei Prozessen berichtet, dass bei Drogendeals Gestochene schwer verletzt vor Angreifern und Exekutive flüchteten. Viele tauchen dann für immer in den Süden unter und sind auch trotz jahrelanger internationaler Fahndung nicht mehr aufgreifbar.

Nachdem durch die intensive Ermittlungsarbeit der Innsbrucker Suchtgiftfahnder ein besonders harter Kern von 20 hartgesottenen Nordafrikanern für längere Zeit hinter Gitter wanderte, schätzen Insider gegenüber der TT, dass mindestens ebenso viele Marokkaner und Algerier Innsbruck wieder „freiwillig“ Richtung Süden verlassen haben. Manche von ihnen würden von ihren in Italien und Frankreich ansässigen Hintermännern auch nach Deutschland weitergeschickt, wo bereits seit zwei Jahren ein massiver Verdrängungswettbewerb mit südosteuropäischen Gruppen um Drogenkonsumenten im Gange ist.

Laut Insidern sei es auch ein Irrglaube, die Nordafrikaner in Innsbruck als geschlossene Einheit zu sehen. Im Gegenteil: Marokkaner und Algerier würden meist nicht harmonieren.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 17.02.2012  11:14
aktualisiert: Fr, 24.02.2012  02:02
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