Holocaust-Leugnung – Neuer Prozess gegen Bischof Williamson
![]() Foto: dpa/Jens Falk
|
||
Nürnberg – Der Prozess gegen den britischen Traditionalisten-Bischof Richard Williamson wegen Infragestellung der Existenz von Gaskammern zur Vernichtung der Juden durch Nazideutschland muss wegen Verfahrensmängeln neu aufgerollt werden. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg am Mittwoch in einem Revisionsverfahren entschieden. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, das Amtsgericht Regensburg habe bereits in seinem Strafbefehl nicht erläutert, in welcher Weise und wo genau in Deutschland das umstrittene Interview des Bischofs veröffentlicht worden sei.
Der zur Pius-Bruderschaft des verstorbenen französischen Konzilsgegners Erzbischof Marcel Lefebvre gehörende Geistliche hatte 2008 in einem in Zaitzkofen in Bayern geführten Interview mit einem schwedischen Fernsehsender wörtlich gesagt: „Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben sind, aber nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern“. Er berief sich dabei auf Thesen des US-amerikanischen Holocaust-Leugners Fred Leuchter. Das Amtsgericht Regensburg hatte Williamson dafür zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro verurteilt. Dagegen hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Williamson Berufung eingelegt.
Weil die Äußerungen für das schwedische Fernsehen gemacht wurden und in Schweden solche Aussagen im Gegensatz zu Deutschland nicht strafbar sind, halten die Verteidiger den britischen Traditionalisten für unschuldig.
Ausgestrahlt wurde das Interview erst Monate später, nachdem der Papst die Exkommunizierung der vier von Lefebvre unerlaubt geweihten Bischöfe - Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galaretta - aufgehoben hatte. Die von Benedikt XVI. gewünschten Versöhnungsgespräche zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft St. Pius X. haben seit 2009 keine Annäherung gebracht. Im deutschen und im französischen Episkopat hat es starke Widerstände gegen die Aufnahme des Dialogs mit den Traditionalisten - von ihren Gegnern „Lefebvrianer“ oder „Lefebvristen“ genannt - gegeben. (APA/dpa)
aktualisiert: Mi, 22.02.2012 14:49


