Mensdorff und Co.: Exklusive Abschüsse und teure Geschäfte
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Entscheidungsträger gegenüber der Telekom günstig zu stimmen, soll Aufgabe des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly gewesen sein.Foto: APA/Neubauer
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Zeugen im Ausschuss
Heute wird zum Thema Jagdeinladungen neben Alfons Mensdorff-Pouilly auch Markus Beyrer, derzeitiger ÖIAG-Chef und Aufsichtsrats-Vorsitzender der Telekom sowie Jagdteilnehmer, Auskunft geben. Alfred Gajdosik, früher Landesvorsitzender der FCG Wien, wird zu Rechnungen an Peter Hocheggers Firma Valora befragt.
Donnerstag geben der Werber Gernot Rumpold und seine Ex-Frau Erika Daniel zu den Geschäften der Firma „100% Communications“ Auskunft. Lobbyist Walter Meischberger wird zu seiner Tätigkeit als Subunternehmer von Hochegger befragt.
Wien – „Stumpfsinn.“ So derb wie deutlich beurteilte der Unternehmensberater Alfons Mensdorff-Pouilly in einem Kurier-Interview vor wenigen Monaten die Annahme, dass bei teuren Jagdausflügen noch teurere Geschäfte angebahnt oder Entscheidungsträger günstig gestimmt werden sollen. Außerdem sei das Jagdvergnügen auf seinem Schloss im südburgenländischen Luising gar nicht so exklusiv: „Meine Kunden kaufen einfach Jagdtage, inklusive Übernachtung und Essen, bei mir.“ Und, fügte „Graf Ali“ hinzu, die Kunden würden ihre Gäste natürlich selbst einladen.
Die Jagdeinladungen sind es auch, die heute im Korruptions-Untersuchungsausschuss im Mittelpunkt der Befragungen stehen. Die Telekom soll für solche Events tief in die Tasche gegriffen haben: Knapp 170.000 Euro sollen in den Jahren 2007 und 2008 der burgenländischen „Forstverwaltung Mensdorff-Pouilly“ überwiesen worden sein. 2008 wurde in Schottland zur Jagd geblasen, den 22.000 Euro teuren Lear-Jet dafür habe die Telekom bezahlt, gab der ehemalige ÖVP-Organisationsreferent und mittlerweile beurlaubte Public-Affairs-Manager der Telekom Austria Michael Fischer im U-Ausschuss bekannt. Mitgeflogen sei auf Einladung des früheren Telekom-Managers Gernot Schieszler – laut Aussage Fischers, der den Ausflug organisierte – auch Markus Beyrer, damals Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) und heute ÖIAG-Chef. Mit seiner Befragung beginnt der heutige U-Ausschuss-Tag.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Gatte der ehemaligen ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat vor einem U-Ausschuss Rede und Antwort stehen muss, auch in anderen Korruptionsvorwürfen taucht der Name Mensdorff-Pouilly auf. 2007 wurde der Lobbyist wegen dubioser Machenschaften rund um den Kauf der umstrittenen Eurofighter vom parlamentarischen U-Ausschuss befragt.
Die Justiz wirft dem aus einer adeligen Familie Stammenden vor, über Umwege rund 14 Mio. Euro vom Rüstungskonzern BAE Systems kassiert zu haben. Wegen des Verdachts der Bestechung bei zentral- und osteuropäischen Rüstungsdeals wie etwa der Eurofighter-Beschaffung saß Mensdorff-Pouilly 2009 und 2010 in Wien und London mehrere Wochen in U-Haft. Die Londoner Haft wurde durch einen Deal des Rüstungskonzerns beendet: BAE Systems kaufte sich und den Lobbyisten mit 328 Mio. Euro von den Vorwürfen frei. Mensdorff-Pouilly wurde mit 400.000 Euro für die Haft entschädigt. Dessen heutiger Auftritt soll übrigens nicht sein einziger vor dem U-Ausschuss bleiben: Auch in der Causa Blaulichtfunk interessiert Mensdorff-Pouillys Rolle als Berater. (ritz)


