Organisierte Kreative gesucht
Von Ernst Spreng
Innsbruck, Wien – Sie stehen selbst nicht im Rampenlicht. Bei Pressekonferenzen agieren sie dezent im Hintergrund und haben jenen, die am Podium sitzen, die richtigen Antworten akribisch vorbereitet. Public Relations – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist ein Berufsfeld, das gerade in den vergangenen zehn Jahren einem ständigen Wachstum unterliegt. Der Bedarf, mit Öffentlichkeit und Presse effektiv zu kommunizieren, ist größer denn je. Gerade die unzähligen Onlinekanäle haben das Bild der Medienlandschaft grundsätzlich verändert. Und damit steht jedes Unternehmen vor der Aufgabe, die Öffentlichkeit zu informieren und seine Produkte ins rechte Licht zu stellen.
Wer sich für den Beruf des PR-Beraters interessiert, der hat gute Chancen, auch einen Job zu finden. Das bestätigen Agenturchefs in Tirol und in Wien. Sepp Tschernutter ist CEO von Österreichs größter PR-Agentur Grayling in Wien. Auch er ist immer wieder auf der Suche nach Kommunikationsexperten. „Wir merken, dass die Nachfrage nach Öffentlichkeitsarbeitern seit Jahren konstant hoch ist. Nicht nur Agenturen sind auf der Suche, sondern auch Unternehmen und größere Organisationen haben ständig Bedarf“, erklärt Tschernutter. Das gleiche Bild findet man auch in Tirol, weiß Ulrich Müller, Geschäftsführer der Agentur wiko. „Anders als der Markt in der klassischen Werbung ist der PR-Markt weiterhin stark wachsend. Jobs in einer PR-Agentur sind gerade für Einsteiger ein gutes Karriere-Sprungbrett. Durch die vielen Aufgaben und Themen, mit denen man in einer PR-Agentur konfrontiert ist, erkennt man rasch, was einem gefällt und was nicht“, erzählt Müller.
Das Aufgabenfeld in der Öffentlichkeitsarbeit ist breit gestreut und reicht von der Organisation von Presseterminen bis hin zum Verfassen von Pressetexten. Die Gestaltung von Firmenzeitschriften gehört genauso dazu wie die Kommunikation auf Facebook und Twitter.
Besonders wichtig ist natürlich der gute Kontakt zu Journalisten. „Eigentlich suchen wir Menschen, die Fähigkeiten vereinen, die im Grunde gegensätzlich sind“, erklärt Stefan Kröll, Geschäftsführer der pro.media Kommunikation in Innsbruck. „Sie sollen Kreativität mit einem hohen Maß an Organisationstalent und strukturiertem Arbeiten vereinen.“ Kröll sieht den Idealkandidaten für eine PR-Agentur in einer Mischung aus Ideenstifter und kreativem Texter auf der einen Seite, der aber auch die Fähigkeit besitzt, einen großen Event konsequent von Beginn bis Ende zu begleiten.
Bei der Frage, ob ein Öffentlichkeitsarbeiter über ein abgeschlossenes Studium und fundierte Ausbildung verfügen muss, erkennt man deutliche Unterschiede zwischen Tirol und Wien. Während die Tiroler Kommunikationsexperten Ulrich Müller und Stefan Kröll nicht auf abgeschlossenen Studien bestehen, ist es bei Grayling in Wien fast schon Voraussetzung. „Wir legen Wert auf ein abgeschlossenes Studium“, erklärt Sepp Tschernutter. „Außerdem erwarten wir uns einige Jahre Berufserfahrung im Journalismus oder in der Unternehmenskommunikation sowie sehr gute Englischkenntnisse.“
Für Ulrich Müller von der wiko ist vor allem wichtig, dass ein hohes Verständnis für wirtschaftliche und politische Zusammenhänge sowie das Interesse an Medien vorhanden ist. „Akademiker verdienen bei mir nicht mehr und nicht weniger als Nichtakademiker. Bei branchenfremden Einsteigern rechnen wir damit, dass es rund ein Jahr braucht, bis sich der Mitarbeiter richtig entfalten kann“, meint Müller und fügt hinzu. „Besonders gute Chancen haben bei mir Bewerber, die sich ehrenamtlich engagiert haben – zum Beispiel in Schüler- oder Studentenorganisationen. Daraus schließe ich Leistungsbereitschaft und Gestaltungswillen.“
Auch Stefan Kröll sucht mehr das Allroundtalent mit hohen sozialen Kompetenzen. „Da unsere Agentur sich im hohen Maß auf Kunden aus der Tourismusbranche konzentriert hat, haben bei uns auch Quereinsteiger aus dem Tourismus gute Chance. Welche Qualifikationen ein PR-Berater mitbringen muss, hängt also auch von der Ausrichtung der Agentur ab“, erklärt Kröll.
Für alle Öffentlichkeitsarbeiter gilt: Facebook, Twitter und Co. sollten keine Fremdwörter sein. Die Bedeutung der Social-Media-Kanäle hat gerade in dieser Branche einen hohen Stellenwert. Man muss kein Profi in diesem Bereich sein, dennoch punktet man bei Agenturchefs damit, mit der Online-Welt vertraut zu sein und die Bedeutung der Meinungsbildung über diese Kanäle rasch und richtig einschätzen zu können.
Neben Kreativität und strukturiertem Arbeiten sind in der PR-Branche besonders soziale Kompetenzen stark gefragt. „Einen PR-Berater zeichnen sicheres Auftreten aus sowie die Fähigkeit, gut zuhören zu können“, erklärt Sepp Tschernutter. Kontaktfreudigkeit und ein gewisses journalistisches Gespür ergänzen die Wunschliste der Agenturchefs an potenzielle Mitarbeiter. „Eine gewinnende Art im Umgang mit Menschen ist wichtig“, meint Ulrich Müller. „PR-Berater vermitteln zwischen Unternehmen und der Öffentlichkeit und haben daher mit den unterschiedlichsten Personengruppen zu tun.“
Die Karrierechancen in einer PR-Agentur sind begrenzt. In größeren Agenturen kann man vom Junior- zum Senior-Berater aufsteigen. Die meisten Agenturen in Österreich verfügen aber kaum über mehr als zehn Mitarbeiter und bieten abseits von Gehaltserhöhungen kaum Chancen, in der Unternehmenshierarchie wesentlich nach oben zu kommen.
Deshalb wechseln viele PR-Berater nach einigen Jahren in die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen und Organisationen oder gründen überhaupt ihr eigenes PR-Unternehmen. In kaum einer anderen Branche ist die Anzahl der Ein-Personen-Unternehmen größer als in der PR-Branche. Vor allem die Kunden schätzen die persönliche Beziehung und den engen Kontakt zu ihrem Berater.


Startschuss für neuen Landtag
