14.04.2012, 06:47 
International

Weiter Kritik an Koran-Verteilung durch Salafisten in Deutschland

Die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, sagte der Berliner Tageszeitung „B.Z.“ (Samstagsausgabe), den Salafisten gehe es „um Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern“.
Die Gratis-Koranverteilungen, die auch in Österreich durchgeführt werden, sorgen für massive Kritik.
Foto: www.hausdesqurans.at

Berlin – Die Kritik an der umstrittenen Verteilung kostenloser Korane durch Salafisten in Deutschland reißt nicht ab. Die Chefin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, sagte der Berliner Tageszeitung „B.Z.“ (Samstagsausgabe), den Salafisten gehe es „um Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern“. „Ziel dieser Kampagne ist, Interessierte in Kontakt mit der salafistischen Szene zu bringen und sie im Sinne ihrer politisch-extremistischen Ideologie zu beeinflussen.“ Der Salafismus sei stark radikalisierungsfördernd und werde von seinen Anhängern als „einzig wahrer Islam“ vermittelt.

Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl bezeichnete die Salafisten in der „Bild“-Zeitung (Samstagsausgabe) als „gefährliche Extremisten und Verfassungsfeinde“. Mit der Koran-Aktion versuche die Bewegung „extremistischen Nachwuchs zu gewinnen“. Salafisten müssten aufgrund ihrer Ideologie als „klare Gegner der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands“ gelten.

Dagegen kritisierte der Vorsitzende des Islamrates und Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime, Ali Kizilkaya, die Debatte über die Salafisten als „etwas panisch“. „Es ist grundsätzlich erlaubt, religiöse Schriften und damit auch den Koran zu verteilen“, sagte Kizilkaya der „Frankfurter Rundschau“ (Samstagsausgabe). „Das ist so ähnlich, als würde man die Bibel verteilen.“ Allerdings seien die Salafisten „eine sehr umstrittene Gruppe“.

Die Verteilung von Koran-Ausgaben soll nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Wochenende an bundesweit mindestens 38 Ständen fortgesetzt werden. Salafisten sind Anhänger einer fundamentalistischen Strömung des Islam. Sie streben nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einen islamischen Gottesstaat an, der mit der westlichen Demokratie unvereinbar ist. Die Behörden gehen derzeit von rund 4000 Menschen im salafistischen Umfeld in Deutschland aus. (APA/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 14.04.2012  06:47
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