Neuer Sudan-Krieg wahrscheinlicher als politische Lösung
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Im Sudan könnte es wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen.
Foto: Reuters
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Khartum – Eine militärische Lösung des Konflikts zwischen Südsudan und Sudan sei heute wahrscheinlicher als eine politische. Dies sagte Helmut Rählmann, Delegationsleiter des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) im Sudan und Südsudan in einem Interview mit der APA. Er befürchtet weitere Flüchtlingswellen und erklärt, dass allein in der Region Union State seit Donnerstag weitere 10.000 Menschen auf der Flucht seien.
Der Konflikt hätte sich in den letzten vier Wochen deutlich verschlechtert, so Rählmann. Heute würden die Anzeichen „eher auf eine militärische Eskalation, als auf eine politische Lösung hindeuten.“ Indiz dafür wäre auch, dass beide Seiten begonnen hätten, junge Männer zu rekrutieren.
Ein weiterer Krieg wäre für die Region freilich eine Katastrophe, warnt das ÖRK: Kriege hätten immer verheerende Auswirkungen, im Sudan und Südsudan würden die Menschen aber jetzt schon am Existenzminimum leben und schon seit Jahrzehnten unter der Bürgerkriegssituation leiden. Ein Kriegsausbruch hätte zusätzliche Flüchtlingsströme zur Folge; bereits jetzt seien 10.000 Menschen als Reaktion auf die Bombardements am Donnerstag in Union State auf der Flucht.
Die Flüchtlingsproblematik spitzt sich allerdings auch im Sudan weiter zu. Gegenwärtig würden sich rund 500.000 südsudanesische Flüchtlinge in Khartoum aufhalten. Seit 8. April gelten sie offiziell als südsudanesische Staatsbürger und damit als Ausländer im Sudan. Sie müssten daher über Pässe, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen verfügen, um sich legal im Land aufhalten zu dürfen. Da dies nicht der Fall ist und die sudanesische Regierung Angst hätte, die Südsudanesen würden der eigenen Bevölkerung die Arbeitsplätze wegnehmen, sind sie von der Abschiebung bedroht. Die resultierende neue Flüchtlingswelle von 500.000 Vertriebenen wäre für den Südsudan nur schwer verkraftbar, erklärte Rählmann.
Das ÖRK ist seit 10 Jahren in der Region vertreten, gegenwärtig halten sich fünf Delegierte im Sudan und zwei im Südsudan auf, die zwei Projekte betreuen: Im Sudan betreibt das Rote Kreuz in der Stadt Kosti an der Grenze zum Südsudan ein sogenanntes Emergency Response Programm zur Wasseraufbereitung in einem Flüchtlingscamp.
In der umkämpften Region Unity State im Südsudan startete im Dezember 2011 ebenfalls ein Programm zur Wasserversorgung der Bevölkerung. Hier liegt der Schwerpunkt jedoch zusätzlich auf dem Aufbau staatlicher Einrichtungen, die nach dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg nicht oder nur mehr unzureichend funktionieren.
Dabei legt das ÖRK laut Rählmann vor allem Wert auf die Nachhaltigkeit des Projekts, weshalb nicht nur Handwasserpumpen für die Bevölkerung angeschafft würden, sondern den Menschen auch beigebracht würde, wie sie die Pumpen wieder reparieren könnten. Als Reaktion auf Bombardements in Unity State haben ÖRK und südsudanesisches Rotes Kreuz zudem einen Transport von Verbandsmaterial von Juba nach Bentiu organisiert. (APA)


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