16.04.2012, 09:00  Aktualisiert: 17.04.2012, 06:43 
Hypo Tirol

Arrivederci 125 Millionen

Die Befürchtungen haben sich bewahrheitet, die Verluste sind aber offenbar nicht noch größer: Insgesamt 125 Mio. Euro hat die Hypo Tirol Bank in Italien in den Sand gesetzt.
Die Bank sieht sich bei Teilen der Ausfälle als Betrugsopfer und erstattete Anzeige.
Foto: Jan Hetfleisch

Von Alois Vahrner

Innsbruck - Der massive Expansionskurs in Italien kommt die zu 100 Prozent in Landesbesitz stehende Hypo teuer zu stehen: Zusätzlich zu den ohnehin eingeplanten 11 Mio. Euro müssen in der Bilanz für 2011 weitere 114 Mio. Euro, in Summe also 125 Mio. Euro, wertberichtigt werden. Das ergab jetzt die vom Aufsichtsrat verlangte Sonderprüfung der Italien-Kredite. Die im Dezember gemachten Hochrechnungen (120 Mio. Euro zusätzliche Wertberichtigung) hätten sich damit bestätigt, sagte gestern Hypo-Vorstandschef Markus Jochum.

Drei Monate lang hatte sich eine eigens eingesetzte 30-köpfige Task Force durch die Akten von 348 Großkrediten mit über 750.000 Euro gekämpft und Stichproben bei kleineren Kreditfällen gemacht. In Summe wurden 85 % des Ausleihungsvolumens (1,04 von 1,2 Mrd. Euro) geprüft. Die Quote der notleidenden Kredite liege bei über 37 Prozent, außerhalb von Südtirol und dem Trentino sogar bei über 45 Prozent. „Das ist jenseits von Gut und Böse“, so Jochum. Normal seien vielleicht 5 bis 6 %, selbst die Hypo Alpe Adria sei „nur“ auf 32 % faule Kredite gekommen. Über 80 % der Wackelkredite wurden unter dem früheren Vorstand von 2003 bis 2008 vergeben.

Vielfach habe es sich um eine Mischung aus „Naivität, Blauäugigkeit und fehlendem Know-how“ sowie „Kreditprozessmängel“ gehandelt, meinte Vorstandsmitglied Johann Kollreider. Großteils ging es um Immobiliengeschäfte, das Geld floss zuweilen ohne Baugenehmigungen oder Widmungen. Viele Kredite wurden von Vermittlern herangetragen, Großkredite seien vom Vorstand in Innsbruck genehmigt worden.

Die Staatsanwaltschaft prüfe die strafrechtliche Verantwortung der damaligen Vorstandsmitglieder, die Bank zudem zivilrechtliche Ansprüche. Von „kriminellen Machenschaften“ wie noch vor einigen Monaten wollten die Hypo-Verantwortlichen jedoch nicht mehr dezidiert sprechen.

Die Hypo werde ihre Vollbank-Lizenz in Italien zurücklegen und die Bank als „EU-Filiale“ weiterführen, kündigte Jochum an. Das Geschäftsvolumen wird mittelfristig auf 700 bis 800 Mio. Euro zusammengeschrumpft. Es werde „eher weniger als mehr Bankfilialen“ geben. Die Hypo-Bilanz wird tiefrot (wohl mehr als 100 Mio. Euro Verlust) ausfallen. Konkrete Zahlen nannte Jochum nicht.

LH Günther Platter zeigt sich „trotz der hohen Verluste in Italien erleichtert, dass nach erfolgter Prüfung der Wertberichtigungsbedarf nicht noch höher geworden ist“. Die Kapitalspritze von 230 Mio. Euro (über vorgezogene Tiwag-Dividenden) sei richtig. Von der Hypo-Führung erwartet sich Platter in den nächsten Jahren positive Zahlen und auch wieder Dividenden von der Hypo.

LA Gebi Mair von den Grünen kritisiert, dass immer noch fast 400 Mio. Euro in Italien ungeprüft seien. „Und wann kommen die angekündigten Anzeigen gegen die bisherigen Verantwortlichen?“ Auch ob es Betrug oder nur Unfähigkeit war, sei bisher noch nicht geklärt.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 16.04.2012  09:00
aktualisiert: Di, 17.04.2012  06:43
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