04.05.2012, 06:13  Aktualisiert: 04.05.2012, 13:05 
Facebook

Facebook fiebert größtem Internet-Börsengang aller Zeiten entgegen

Das Internet-Unternehmen könnte nach seinem Börsegang bis zu 100 Milliarden Dollar wert sein. Doch in den Goldrausch mischen sich warnende Stimmen: Es gibt Zweifel am Geschäftsmodell des Internet-Dienstes.
Facebook hat hohe Ziele bei seinem Börsengang Mitte Mai.
Foto: tt.com
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Facebook ist seit drei Jahren profitabel. 2011 gab es eine Milliarde Dollar Gewinn, im Jahr davor 606 Millionen. Im ersten Quartal 2012 sank der Gewinn im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar.

Facebook ist inzwischen ein außerordentlich lukratives Geschäft. Den Milliardengewinn 2011 schaffte das Online-Netzwerk mit nur 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.

Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. 2011 lag der Anteil bei 85 Prozent.

Facebook ist mit Spielen erfolgreich. Die virtuellen Welten sind ein wichtiges Element des Facebook-Geschäfts. Zuletzt steuerte der Anbieter von Games wie „Farmville“ oder „Cityville“ 15 Prozent der Facebook-Umsätze bei.

Facebook hat mehr aktive Mitglieder als man bisher dachte. In den Börsenunterlagen spricht das Online-Netzwerk von 845 Millionen aktiven Nutzern im Monat Ende 2011. Und 526 Millionen nutzten Facebook jeden Tag.

Mark Zuckerberg wird Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff haben. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen werden. Nach der Aktienplatzierung wird Zuckerberg fast 60 Prozent der Stimmen kontrollieren.

Facebook hatte zuletzt 3539 Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten stieg allein im vergangenen Jahr um 50 Prozent.

Mark Zuckerbergs Vater, der Facebook 2004 und 2005 finanziell unterstützt hat, bekam im Dezember 2009 zwei Millionen Aktien der Klasse B.

Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk - nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

Facebook ist auch ein riesiges Fotoalbum: Jeden Tag laden die Nutzer 300 Millionen Bilder hoch.

San Francisco – Facebook will sich bei seinem heiß erwarteten Börsengang (Initial public offering/IPO) kräftig bedienen. Das weltgrößte soziale Netzwerk plant, bis zu zwölf Milliarden Dollar bei Investoren einzusammeln. Damit käme das erst acht Jahre alte Unternehmen nahe an den Marktwert des Online-Handelsriesen Amazon heran und würde Traditionsfirmen wie Hewlett-Packard und Dell übertreffen.

Auch Googles Premiere auf dem Parkett verblasst daneben: Der Konkurrent hatte 2004 knapp 1,7 Milliarden Dollar erlöst.

Wie Facebook am Donnerstag in seinem Börsenprospekt mitteilte, soll die Preisspanne für die Aktien zwischen 28 und 35 Dollar liegen. Sollte es dem von Mark Zuckerberg geführten Konzern gelingen, die Papiere zum höchsten Ausgabepreis auf den Markt zu bringen, würde der Konzern mit knapp 100 Milliarden Dollar bewertet.

Am unteren Ende würde die Bewertung 77 Milliarden Dollar betragen. Der Handel soll in spätestens zwei Wochen starten.

Zweifel an Nachhaltigkeit

Experten gehen davon aus, dass sich die Investoren um die Papiere des Netzwerks mit mehr als 900 Millionen aktiven Nutzern reißen. Trotzdem wurden zuletzt auch Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells laut - erst Ende April gab Facebook den ersten Umsatzrückgang zum Vorquartal seit mindestens zwei Jahren bekannt. Dabei müsste das Unternehmen – um den künftigen Börsenwert auch nur annähernd zu rechtfertigen – den Umsatz um mindestens 40 Prozent jährlich steigern, und das in den kommenden fünf Jahren.

Facebook aber kämpft beispielsweise mit Google um die wertvolle Zeit der Internetnutzer, die sich wiederum bei Werbekunden in bares Geld verwandeln lässt.

Vor allem die zunehmende Nutzung des Internets über Smartphones und Tablet bereitet dem Unternehmen Sorgen. Bisher schalten Werbekunden lieber auf herkömmlichen Computern Anzeigen. Zudem sind sie bereit, dafür mehr zu zahlen als für Handy-Werbung.

Wachstum im Mobile-Bereich

Facebook will in dem mobilen Bereich unbedingt wachsen. Die fürs operative Geschäft bei Facebook zuständige Managerin Sheryl Sandberg versicherte, dass die mobile Welt für Facebook keine so große Herausforderung wie für andere Unternehmen sei. Finanzchef David Ebersman kündigte an, der Internetkonzern werde in diesem Bereich stark investieren, auch wenn noch unklar sei, wann oder ob sich dies auszahle.

Klar ist allerdings, dass Facebook - obwohl es aktuell nie und nimmer 100 Milliarden Dollar wert ist - mit 900 Millionen angemeldeten Usern (13 Prozent der Weltbevölkerung) und einer großen Popularität das Zeug hat, ein profitables Geschäftsmodell zu erzeugen.

Bei Bekanntgabe der IPO-Absichten hatte Facebook erklärt, mindestens fünf Milliarden Dollar einsammeln zu wollen. „Die Leute werden mit dieser Bewertung sehr zufrieden sein“, sagte Analyst Sam Schwerin von Millenium Technology Value Partners nun zu den aktualisierten Plänen.

Roadshow am Montag

Bereits am Montag soll die Roadshow des Unternehmens beginnen. Die zweiwöchige Werbetour startet in New York, später sollen Chicago und Boston folgen. Die Investorenreise endet laut einem Reuters vorliegenden Zeitplan im heimischen Menlo Park in Kalifornien. Kreisen zufolge wird Zuckerberg teilnehmen. Dies galt lange als unklar. (APA/Reuters)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 04.05.2012  06:13
aktualisiert: Fr, 04.05.2012  13:05
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