11.01.2010, 12:52  Aktualisiert: 11.01.2010, 16:54 
Rebekka Bakken im Treibhaus

Hornhaut, Hits und Hausgeister

Rebekka Bakken hat das Treibhauspublikum mit einer Mischung aus Pop, Jazz und Blues verzaubert.
Zurück in ihrer Herzensheimat: Rebekka Bakken beim samstäglichen Konzert im Innsbrucker Treibhaus.Foto: Parigger

Von Christiane Fasching

Innsbruck – Der Treibhaus-turm ist voll. Bis auf den letzten Steh- und Sitzplatz. Schuld daran hat die nordische Pop-Elfe Rebekka Bakken, die schon vor Jahren in der Innsbrucker Kulturinsel auftrat - damals vor einer recht überschaubaren Fangemeinde. Schließlich war auch Fräulein Bakken einmal ein unbeschriebenes Blatt.

Kein Geheimtipp mehr

Doch das ist Schnee von gestern. Die Norwegerin, die eine Zeit lang in Wien lebte und nun in Schweden werkelt, ist kein Geheimtipp mehr. Ein liebenswerter Typ Mensch ist sie aber geblieben.

Und so begrüßt sie am Samstagabend ihr Publikum mit strahlendem Lächeln und einem „Endlich wieder daheim“. Man nimmt ihr die Freude ab, wer so leuchtet, der kann nicht lügen. Im Gepäck hat Bakken ihr neues Album „Morning Hours“, das zwischen Pop, Jazz und Blues pendelt, von Liebe erzählt und von unabhängigen Frauen. Der Star des Abends erzählt indes von ganz profanen Problemen. Ihr Haarspray ist alle - und Bakken fix und fertig. Klassischer Fall von „Powder Room Collapse“, einer melodischen Ode an jene Tage, an denen man am liebsten im Badezimmer verweilen würde. Weil die Haare blöd aussehen und das Make-up auch nicht seinen Zweck erfüllen will.

Ein Frauensong? Irgendwie schon. Trotzdem wippt auch die männliche Besucherschar mit. Da packt Bakken schon die nächste Story aus - und plaudert munter über die Hornhaut an ihren Füßen, die sie sich in Tirol weghobeln lassen wollte. Beruhigend, dass auch Elfen nicht perfekt sind, sondern nur so aussehen. „Too much information?“, fragt sie - und erntet Lächeln. Weil ihre Alltagsgeschichten so herrlich normal sind. Wie der Gast aus dem Norden selbst.

Starke Stimmfarbe

Bakkens Stimme ist dafür alles andere als normal - es wirkt fast so, als stünden da drei Rebekkas auf der Bühne, die je nach Song die Stimmfarbe wechseln. Und melodische Höhen und Tiefen mit links bewältigen. So besingt die sanfte Rebekka die Momente des Verliebtseins „In The Early Morning Hours“, während die bluesige Rebekka „Didn‘t I“ anstimmt und die poppige „Not A Woman“ zum Besten gibt.

Unterstützt wird sie dabei von ihrer vierköpfigen Band, die Bakkens Gesänge in ein weiches Soundbett legt, das die Fangemeinde auf Kuschelkurs bringt. Treibhaus-chef Norbert Pleifer sieht indes auch ziemlich glücklich aus - was nicht weiter verwundert. Schließlich widmet ihm das niedliche Nordlicht gleich zu Beginn des zweistündigen Konzerts den Song „Ghost In This House“, was dem grummeligen, aber guten Treib-hausgeist augenscheinlich zu Herzen geht.

Am Ende herrscht Friede und Freude - Cindy Laupers „Time After Time“ wird gemeinschaftlich gesungen, Rebekka Bakken sagt „Danke“. Und irgendwie sieht‘s so aus, als hätte sie feuchte Augen.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 11.01.2010  12:52
aktualisiert: Mo, 11.01.2010  16:54
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