09.06.2012
Skigebiete um Innsbruck

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Mit mehr als 100.000 einheimischen Skifahrern befinden sich die Skigebiete im Großraum Inns­bruck auf Talfahrt. Der Kantönligeist regiert.
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Skigebiete rund um Innsbruck

Viele Kleinstskigebiete: Neun mehr oder weniger vergleichsweise kleine Skigebiete prägen den Großraum Innsbruck. Dazu kommen noch kleine Skilife wie in Rinn. Mit dem Stubaier Gletscher verfügt der Zentralraum aber über ein attraktives Ganzjahresskigebiet.

Probleme: Muttereralm und Glungezer standen2011 an der Kippe, die öffentliche Hand musste einspringen. Erst heuer rückten die Skigebiete Lizum, Kofel, Mutterer­alm, Glungezer, 11er Lifte und Mieders im Freizeitticket wieder enger zusammen. Der große Verbund fehlt aber noch.

Von Peter Nindler und Christoph Mair

Innsbruck – Der Kartenverbund zwischen Glungezer und Rangger Köpfl existiert nicht mehr. Das vor wenigen Jahren um mehr als 25 Millionen wieder errichtete Skigebiet Muttereralm musste im Vorjahr unter den Rettungsschirm des „Tourismusverbandes Innsbruck und seine Feriendörfer“ flüchten. Die Gemeinde Tulfes und der Tourismusverband Hall sprangen am Glungezer ein, in der vergangenen Wintersaison wurde der Glungezer von den Patscherkofelbahnen mitbetreut. Axamer Lizum und Schlick 2000 kämpfen ebenfalls um jeden Euro, für die Kleinstskigebiete Mieders, Elferlifte in Neustift und Rangger Köpfl in Oberperfuss stellt sich Jahr für Jahr die Überlebensfrage. Und das, obwohl der Großraum Innsbruck das größte Potenzial an Skifahrern aufweist.

Doch es fehlen Millionen, Investoren und Zukunftskonzepte. Der Zusammenschluss zwischen Muttereralm und Axamer Lizum um geschätzte zehn Mio. Euro könnte ein erster Schritt sein, doch es benötigt mehr. Das Tauziehen um die 1928 errichtete Pendelbahn auf den Patscherkofel, auf dem auch nicht immer alles rosig ist, offenbart den Handlungsbedarf. Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer schlägt deshalb eine „3-Marken-Strategie“ vor, aufgeteilt auf Nordpark, Patscherkofel-Glungezer sowie Muttereralm, Stubai und Axamer Lizum. Nordkette, Seegrube und Hafe­lekar stehen laut Bodenseer für Trendsport, die anderen Skigebiete für Familienabfahrten, Kinderfreundlichkeit, Gäste und für „sanften Tourismus“, der mit Skitourengehen, Wandern, naturbelassenen Pisten und Wanderwegen verbunden werden sollte.

Bodenseer schlägt einen Businessplan für alle drei Marken vor. „In das Gesamtkonzept gehören neben dem Tourismusverband, Stadtmarketing, Land Tirol auch die Investorengruppen, Kammern, Gastronomie, Hotellerie, Handel, Sportvereine, Banken miteingebunden.“

Dass die Zeit für ein Gesamtkonzept für die Region Innsbruck gekommen oder schon überfällig ist, bejahen auch die Tourismusobleute Sepp Rettenbacher (Stubaital) und Werner Nuding (Region Hall-Wattens). „Es wäre sehr vernünftig, alle an einen Tisch zu bekommen, um darüber zu reden, was realistisch ist und was nicht“, plädiert Nuding für ein Treffen noch im Sommer. Entscheidungen will Nuding nicht vorgreifen, aber eine künftige Zusammenarbeit könnte von einem gemeinsamen Einkauf bis zum gemeinsamen Betrieb der verschiedenen Bahnen gehen.

Rettenbacher sieht das Heil im Zusammenschluss von Gebieten, denn die isolierten Kleinlifte seien auf Dauer nicht lebensfähig. „Das ist sicher ein Vorteil, denn der Gast schaut auf die Pistenkilometer.“ Die größte Hürde für Fusionen ortet der Stubaier Tourismusverbands-Chef in den rechtlichen Voraussetzungen, weniger bei den notwendigen Investitionen. „Es gibt Betreiber, die investieren wollen, wenn man sie nur lässt.“

Mit einer gesamthaften Betrachtung der Situation der Bergbahnen im Großraum seien die Verantwortlichen auf dem richtigen Weg, erklärt Hubert Siller, Tourismusexperte am Management-Center Innsbruck (MCI). Allerdings, gibt Siller zu bedenken, könnten die Rezepte dazu heute nicht die gleichen sein wie vor 30 Jahren. Eine reine Seilbahnverbindung zwischen Schlick und Lizum etwa sieht Siller, unabhängig davon ob sie genehmigungsfähig ist, kritisch. Es müssten auf jeden Fall auch neue Skiflächen dazukommen.

Ob die Kleinskigebiete auf Dauer überlebensfähig sind, beurteilt der Experte differenziert. Unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten könnten einige verschwinden, allerdings sei ein politisches Bekenntnis zum Erhalt der Anlagen als Teil des Lebensraumes auch legitim.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 09.06.2012
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