Millionenschäden in der Steiermark nach „Jahrhundert-Unwetter“
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Im Bezirk Murtal fuhr ein Güterzug der ÖBB in eine Mure. Waggons entgleisten und stürzten um.
Foto: APA/FEUERWEHR ZELTWEG
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Graz, Klagenfurt - Schäden im Ausmaß von mehreren Millionen Euro haben die Unwetter vom Dienstagabend in der Steiermark, vor allem im Bezirk Murtal, verursacht. Gewitter mit Starkregen und Hagel sowie Windböen lösten Überschwemmungen und Erdrutsche aus, Bäche traten über die Ufer und überfluteten Straßen und Keller, Gebäude wurden beschädigt und Bäume geknickt. In vier Gemeinden wurde Katastrophenalarm gegeben. Ein Güterzug entgleiste, in der Oststeiermark wurde ein Jägerehepaar auf einem Hochstand vom Blitz getroffen, kam aber mit leichten Verletzungen davon. Laut Landesfeuerwehrverband waren 100 Feuerwehren mit rund 1.000 Leuten im Einsatz, die Aufräumarbeiten dauerten am Mittwoch noch an.
Bis zu 177 Liter Niederschlag pro Quadratmeter wurden binnen eineinhalb Stunden im Bereich Obdach gemessen. Über die vier Gemeinden Amering, Eppenstein, Obdach und St. Anna wurde von der Behörde die Katastrophe festgestellt. Seitens des Bundesheeres wurde Mittwochvormittag ein Erkundungsflug durchgeführt. Laut Kurt Kalcher, Leiter der Katastrophenschutzabteilung, wurde Assistenz angefordert, vor allem für die Sicherung und Errichtung von beschädigten bzw. weggerissenen Brücken. Der Ameringer Bürgermeister Peter Bacher meinte im ORF Steiermark, es habe sich um ein „Jahrhundert-Unwetter“ gehandelt.
Der Granitzenbach war im Bereich Obdach und Weißkirchen aus den Ufern getreten, zahlreiche Gebäude wurden zum Teil stark beschädigt. Garagen und Wirtschaftsgebäude sind weggerissen worden. In Kathal musste eine Familie aus ihrem Wohnhaus geborgen und evakuiert werden. Die B78 Obdacher Straße war vorübergehend wegen Überflutung gesperrt. Nachdem das Wasser zurückging, wurde die Fahrbahn mittels Schneepflügen gereinigt. Der Granitzenbach hatte schon Ende Februar wegen eines Eisstoßes und damit verbundenen Überflutungen Probleme bereitet.
Zug wegen Mure entgleist
In Eppenstein entgleiste ein Güterzug, weil der Gleiskörper samt Bahndamm weggeschwemmt worden war. Zwei Waggons sprangen aus den Schienen und stürzten um. Die am Mittwoch eingeleitete Bergung der beiden Loks und der Waggons erwies sich als besonders schwierig. Wegen des schweren Schadens am Oberbau und wegen Murenabgänge auf der Strecke zwischen Obdach und Bad St. Leonhard (Kärnten) dürfte die nur für den Güterverkehr genutzte Strecke zwei Wochen gesperrt bleiben. Den Schaden bezifferte ÖBB-Sprecher Christoph Posch mit „in die hundertausende Euro gehend“.
Im Bezirk Weiz wurde ein Jägerehepaar auf einem Hochstand von einem Blitz getroffen und glücklicherweise nur leicht verletzt. In Obergnas (Bezirk Feldbach) setzte am Mittwoch kurz nach Mitternacht ein Blitzschlag den Dachstuhl eines Wohnhauses in Brand.
Auch in Graz hatte die Feuerwehr Hochbetrieb. Knapp 60 Alarme gingen ein, umgestürzte Bäume waren zu entfernen und Tiefgaragen auszupumpen. Das Dach des Landestierheimes wurde beschädigt und musste mittels Planen gesichert werden.
Nach Angaben der Österreichischen Hagelversicherung betragen allein die geschätzten Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen in der Steiermark rund 3,5 Mio. Euro.
Hunderte Einsätze auch in Kärnten
Auch im Kärntner Lavanttal führten die Unwetter am Dienstagabend zu rund 150 Einsätzen der Feuerwehren. Nach heftigen Starkregen wurden vor allem Keller und Straßen in der Region geflutet. Orkanartiger Wind, sowie heftige Gewitter mit Starkregen ließen Bäche über die Ufer treten. Die Wassermassen überfluteten in den Gemeinden Wolfsberg, St. Andrä, Reichenfels und Bad St. Leonhard auch zahlreiche Keller. Auch Straßen waren in den Abendstunden nicht mehr passierbar, zahlreiche Bäume wurden umgeknickt.
Bei Frantschach/St. Gertraud gab es im Prössinggraben in der Nähe einer Wohnsiedlung zwei Erdrutsche. Häuser wurden dort aber nicht beschädigt und niemand verletzt. An die 300 Mann der umliegenden freiwilligen Feuerwehren standen während des heftigen Gewitters im Lavanttal im Einsatz.
Die Aufräumarbeiten werden noch mehrere Tage dauern. Mehr als 300 Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz, der Sachschaden ist hoch. Bis in die frühen Morgenstunden hatten die Feuerwehrleute die Verkehrsbehinderungen weitgehend beseitigt. Das Wegräumen der Schlammmassen wird Einsatzkräfte und Betroffene aber noch länger beschäftigen.
Brände in Niederösterreich
Auch in Niederösterreich musste die Feuerwehr wegen mehrerer Brände infolge von Blitzschlägen ausrücken, zudem waren zahlreiche Keller von Überflutung bedroht. Im Bezirk Baden kam es in einem Einfamilienhaus in Leobersdorf vermutlich nach einem Blitzschlag zu einem Dachstuhlbrand, wie die Sicherheitsdirektion Niederösterreich mitteilte.
Im Bezirk Neunkirchen meldete die Feuerwehr drei Brände. Der größte davon betraf ein Wohnhaus in Sankt Valentin, 65 Mann der Freiwilligen Feuerwehren konnten den Brand nach einem Blitzschlag rasch unter Kontrolle bringen. In Rohrbach stand das Erdgeschoß eines Wohnhauses im Vollbrand. Die über 80-jährige Hausbewohnerin konnte sich laut Feuerwehr in letzter Minute selbst aus dem Wohnhaus retten. Sie wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Landeskrankenhaus Neunkrichen gebracht.
aktualisiert: Mi, 04.07.2012 16:22


