01.08.2012, 07:18  Aktualisiert: 01.08.2012, 09:01 
Österreich

Aus Schlecker wird „daily“: Investor will Filialnetz sogar ausbauen

Der Käufer der Drogeriemarktkette Schlecker will binnen vier Jahren bis zu 250 Filialen neu eröffnen. Derzeit betreibt Schlecker rund 900 Filialen.
Es war eine Rettung in letzter Minute: Die Österreich-Tochter des insolventen Schlecker-Imperiums wurde an den Austrofonds TAP verkauft. Alle Läden werden übernommen, das Gros der Mitarbeiter kann aufatmen.
Foto: Volkmar Schulz / Keystone

Wien - Der Käufer der angeschlagenen Drogeriemarktkette Schlecker, der heimische Finanzinvestor TAP 09 um Rudolf Haberleitner, will die Anzahl der heimischen Filialen bis 2016 ausbauen. Derzeit betreibt Schlecker in Österreich rund 900 Filialen, binnen vier Jahren sollen es bis zu 1.150 sein, erklärte Haberleitner in der „ZiB24“ in der Nacht auf Mittwoch. „Es ist absolut daran gedacht - auch in Österreich - die Filialen jetzt zu halten und die noch auszubauen“, so der 67-Jährige.

TAP 09 übernimmt insgesamt 4.600 Mitarbeiter in 1.350 Filialen in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg. Garantieren könne „niemand etwas“, aber „unser Plan ist, bis 2016 auf 1.980 Filialen“ auszubauen, so Haberleitner. Schlecker soll vom Drogeriemarkt zu einer „echten Nahversorgungskette“ mit dem Namen „daily“ umgewandelt werden. Die Lebensmittelkomponente solle dabei nur acht Prozent des gesamten Umsatzes betragen, betonte der Investor. Es gebe außerdem einen Vertrag mit Eigenmarken bis 2019, dementierte er den von Mitarbeiterinnen zuvor kolportierten Wegfall dieser. „Die Lieferanten stehen voll zu uns“, bekräftigte Haberleitner.

Auch die Mitarbeiter will der neue Firmenchef halten und zu den Konditionen übernehmen, „die sie bisher hatten“. „Das ist unser volles Vorhaben“, sagte Haberleitner.

In fünf bis zehn Jahren will TAP 09 dann entscheiden, „ob wir das Unternehmen an die Börse bringen oder weitere Investoren zulassen“.

„Übernahme von allen Filialen gefährlich“

Der ebenfalls an Schlecker Österreich interessierte Ex-DM-Manager Manfred Laaber sieht die Komplettübernahme der Drogeriemarktkette durch den heimischen Finanzinvestor TAP 09 um Rudolf Haberleitner skeptisch. „Alle 900 Standorte zu übernehmen halte ich für gefährlich“, sagte Laaber zur APA. Andere Konzepte wären „realistischer und chancenreicher“ gewesen. Laaber wollte die profitablen Filialen - rund 600 - vor allem am Land weiterbetreiben.

Das Angebot von Haberleitner sei für den deutschen Schlecker-Masseverwalter Arndt Geiweitz offenbar lukrativer als das Angebot des Linzer Finanzinvestor Recap um Anton Stumpf gewesen. Eine Expertenkommission hätte sich wahrscheinlich für einen anderen Investor ausgesprochen, erklärte Laaber. Den neuen Eigentümern sollte man aber eine Chance geben. Auch die Markenlieferanten dürften - wenn sie Wettbewerb im Handel wollen - nicht die Einkaufspreise dramatisch verschlechtern. „Das wäre nicht fair.“

Die Kreditschützer vom KSV 1870 werden nun TAP 09 in den kommenden Tagen genau unter die Lupe nehmen. Derzeit liegen uns außer den Firmenbuchdaten noch keine Informationen vor, erklärte KSV-Mitarbeiterin Petra Wögerbauer auf Anfrage. Daher sei es für eine Einschätzung der Lage noch zu früh. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 01.08.2012  07:18
aktualisiert: Mi, 01.08.2012  09:01
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