05.08.2012, 11:26 
International

Spannungen um Chinas Ansprüche im Süd- und Ostchinesischen Meer

Taiwan bemüht sich um einen Ausgleich zwischen China und Japan im Streit um eine Inselgruppe.
In Hanoi in Vietnam wurde eine Demonstration gegen die chinesischen Ansprüche aufgelöst.
Foto: REUTERS

Peking/Washington - Die Spannungen um Gebietsansprüche im Süd- und Ostchinesischen Meer haben sich am Wochenende verschärft. Peking verwahrte sich dagegen, dass Washington die Einrichtung einer militärischen Niederlassung Chinas auf den Paracel-Inseln im Südchinesischen Meer missbilligte. Taiwan bemühte sich um einen Ausgleich hinsichtlich einer zwischen Japan und China umstrittenen Inselgruppe im Ostchinesischen Meer.

Die Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer umfassen große Gebiete. Umstritten sind unter anderem die Hoheitsrechte über die Spratly-Inseln, die mehr als 500 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt sind. Der jüngste Streit betrifft jedoch die Paracel-Inseln, die wesentlich näher an der chinesischen Halbinsel Hainan liegen.

Peking hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, in Sansha auf den Paracel-Inseln werde eine Garnison eingerichtet. Dies wurde am Freitag vom US-Außenministerium kritisiert. Daraufhin bestellte der chinesische Vize-Außenminister Zhang Kunsheng am Samstag den stellvertretenden Geschäftsträger der US-Botschaft, Robert Wang, ein. Im Vormonat war die Stadt Sansha bereits zur eigenständigen Verwaltungseinheit (Präfektur) erhoben worden.

Von dort sollen die Inselgruppen der Spratlys, Paracels und die Macclesfield Bank sowie die umliegenden, rohstoffreichen Gewässer verwaltet werden, hieß es. Teile dieser Inselgruppen werden auch von den ASEAN-Mitgliedern Vietnam, Brunei, Malaysia, den Philippinen sowie Taiwan beansprucht. Peking macht Besitzansprüche beinahe auf das gesamte Südchinesische Meer geltend. Die Ankündigung kam zwei Tage nach einem mühsam ausgehandelten Kompromiss der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN, in dem sich die Mitglieder zur Zurückhaltung in dieser heiklen Frage verpflichten. Mehrere ASEAN-Mitglieder fühlen sich von Chinas Herrschaftsansprüchen bedroht.

In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi löste die Polizei am Sonntag eine Protestkundgebung gegen Pekings Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer auf. Die Kundgebungsteilnehmer riefen zuvor „Nieder mit Chinas Aggression!“, während sie vietnamesische Fahnen schwenkten. Mindestens 20 Demonstranten wurden festgenommen. Es war der vierte derartige Protest in Hanoi innerhalb eines Monats. Vietnam und China liegen seit langem im Streit um mehrere Inselgruppen im Südchinesischen Meer, in dem große Öl- und Gasvorkommen vermutet werden.

Die taiwanesische Führung schaltete sich am Sonntag in einen Territorialstreit zwischen Japan und China ein, bei dem es um unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer geht. Die umstrittenen Inseln werden in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt. Die jüngsten Spannungen zwischen Peking und Tokio gefährdeten „Frieden und Stabilität in Ostasien“, beklagte Taiwans Präsident Ma Ying Jeou. Im Juli waren Boote der taiwanesischen und der japanischen Küstenwache im Gebiet der umstrittenen Inselgruppe zusammengeprallt. (APA/AFP/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 05.08.2012  11:26
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