Euro-Aus für Griechen wäre „beherrschbar“
Athen, Brüssel, Wien – In der griechischen Schuldentragödie hat nun Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker Klartext gesprochen. Der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wäre „aus heutiger Sicht ein beherrschbarer Vorgang“, sagte Juncker am Dienstag, es sei aber „nicht wünschenswert“. Gleichzeitig übte er auch Kritik an Deutschland: „Die Deutschen, viele Deutsche, die überregionale deutsche Presse, auch die bebilderte Presse, reden über Griechenland so, als ob es ein Volk wäre, das es nicht zu respektieren gilt. Das ist aber nicht so.“
Obwohl laut einer Umfrage von Kloepfel Consulting 60 Prozent der Manager im deutschsprachigen Raum „besorgt“ über die wirtschaftliche Entwicklung in Europa sind, bereitet sich die Wirtschaft in Österreich bereits auf einen stillen Ausgleich Griechenlands vor. Nach Berechnungen des Brüsseler Think-Tanks CEPS würde ein totaler Zahlungsausfall Österreich 9,1 Mrd. Euro kosten. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl ist anders als der Chef der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, gegen einen klaren Schuldenerlass. Leitl schlägt vor, die Laufzeit der Kredite auf bis zu 80 Jahre zu erstrecken.
Ökonomen warnen indes vor einer neuen Rezession in der Euro-Zone. Nicht nur Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion, schrumpfte im Frühjahr das vierte Quartal in Folge. Auch über Deutschland ziehen dunkle Wolken auf: In der Industrie sind die Aufträge im Juni um 1,7 % zurückgegangen. (TT, dpa, Reuters)


