09.08.2012
Bundesliga

„Dinge auf den Punkt bringen“

Das immens wichtige Heimspiel gegen Mattersburg (Samstag, 18.30 Uhr) naht. Marcel Schreter, dienstältester Wacker-Profi, setzt auf innere Ruhe und den Faktor Arbeit.

Innsbruck – Marcel Schreter ist schon ein Jahrzehnt und zu lange im wackeren Profigeschäft, als dass ihm der Saisonstart in die neue Bundesliga-Saison mit den drei Niederlagen gegen Rapid (0:4), Admira (1:2) und Ried (0:2) den Schlaf rauben würde. Der 30-jährige Offensivspieler, der bislang Wackers einzigen Saisontreffer erzielte, ist überzeugt davon, dass sich die Innsbrucker aus dem Anfangstief befreien werden.

Wie schwer fällt Ihnen nach verpatztem Start der tägliche Weg zum Training?

Marcel Schreter: Überhaupt nicht. Ich bin ganz anderes aus der Abstiegssaison (2007/08) gewohnt, da tat‘s sehr weh. Wir haben zwar dreimal verloren, mit Ausnahme des Rapid-Matchs, aber gute Leistungen abgeliefert. Der Spielverlauf in Ried hat natürlich geschmerzt. Aber bei uns in der Kabine herrscht keine Trauerstimmung.

Den Blick auf die Tabelle sollte man zur Stunde aus psychologischer Sicht aber doch besser scheuen?

Schreter: Der Nuller am Punktekonto steht, deswegen sollten wir vor der Mattersburg-Partie nicht zu oft draufschauen. Aber jetzt am Anfang kann man noch nicht so viel sagen. Die Tabelle sagt nach zehn bis zwölf Runden erst einiges aus.

Anschreiben gegen Mattersburg, ehe das Duell gegen Wiener Neustadt steigt, ist aber das Gebot der Stunde. Wären Sie mit einem Punkt auch zufrieden?

Schreter: Ein Punkt ist gut, aber natürlich wollen wir den ersten Dreier. Denn dann machen wir einen Schritt nach vorne, treten auch wieder ganz anders auf.

Wieder einmal, wie schon so oft in den vergangenen Jahren, herrscht in der Wacker-Offensive die Misere. Wie geht man mit vergebenen Chancen bzw. einer Torflaute, die sie aus der Vorsaison ja auch aus eigener Erfahrung leider bestens kennen, um?

Schreter: Es nützt nichts, irgendetwas nachzutrauern, sondern es heißt, konzentriert bleiben. Marcelo (Fernandes), Julius (Perstaller) und ich haben schon bewiesen, dass wir es können. Und irgendwann „schliaft“ wieder einer ins Tor. Es zählt auch jeder Treffer im Training, das baut auf.

Sind zur Stunde auch besonders die Routiniers gefordert?

Schreter: Ja, aber so viele haben wir auch nicht mehr. Natürlich müssen wir die Jungen führen – das Zeitalter, wo nur mehr die Alten den Ton angeben, ist aber auch vorbei. Die Jungen, die schon länger in der Bundesliga spielen, kennen den Druck und müssen genauso etwas beisteuern.

Es heißt wieder einmal, „Ärmel hochkrempeln“. Da fällt einem zwangsläufig der Name von Ali Hörtnagl ein?

Schreter: Ein Typ wie Ali ist immer gut, zu jeder Zeit. Er war der absolute Leitwolf, der auf den Tisch gehauen hat und positiv gepusht hat.

Zurück in die Gegenwart, wo Marcelo Fernandes in den ersten drei Runden nicht in Fahrt kam und sich die Frage stellt, ob Miran Burgic nicht doch unterschätzt wurde?

Schreter: Man kann die beiden überhaupt nicht vergleichen, das sind zwei komplett andere Typen. Burgic war ein Rackerer und Fernandes ist einer, der im Strafraum richtig steht. Das hat er in der Vorbereitung schon bewiesen, hoffentlich kommt das zurück.

Selbst vermeintliche Anhänger haben nach dem Fehlstart schon wieder die Keule ausgepackt?

Schreter: Wenn ich auf Face­book lese, dass die Leute schrei­ben, dass wir wieder arbeiten gehen sollen, dann weiß ich auch nicht mehr. Das ist jedes Jahr das Gleiche und mühsam. Aber wir müssen das ausblenden. Wir verlieren ja schließlich nicht gerne. Mannschaft und Publikum sollten in guten und schlechten Zeiten zueinanderstehen (da spricht aus Schreter auch der Ehemann, der im Sommer kirchlich geheiratet hat, Anm. d. Red.). Ich hoffe, dass die Leute am Samstag nicht nach ein, zwei Fehlpässen, pfeifen.

Die Lage ist aus Ihrer Sicht noch nicht bedenklich?

Schreter: Überhaupt nicht. Wir haben letzte Runde ja einen Platz gutgemacht (schmunzelt), Scherz beiseite: Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen, in jedem Training hart arbeiten und die Dinge im Spiel wieder auf den Punkt bringen.

Das Gespräch führte Alex Gruber

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 09.08.2012
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