Olympia-Tourist, und das auch 2016
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Für Touristen hat London einiges zu bieten.Foto: EPA/Ilnitsky
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Mit der Bezeichnung „Olympia-Tourist“ ist das so eine Sache: Das traut sich ja aus dem Kreis der österreichischen Mannschaft keiner mehr in den Mund zu nehmen, seit unser Sportminister dieses Unwort als Schimpfwort eingesetzt hatte. Darunter gibt es nur noch den Olympia-Exot: ein chancenloser Aufputz der Spiele.
„Olympia-Touristen“ – und jetzt schreibe ich es zum letzten Mal, um den Begriff nicht über Gebühr zu strapazieren – seien Sportler ohne sportliche Ziele. Das sagt uns einerseits, dass das olympische Prinzip „Dabeisein“ nicht mehr alles ist. Und andererseits, dass der als ... Sie wissen schon ... Beschimpfte die vergangenen vier Jahre auf der faulen Haut gelegen sein muss. Was soll er auch anderes getan haben, der als Sportler getarnte Tourist? Vier Jahre hatte er sich dem Schein nach auf einen Wettkampf vorbereitet, um sich in erster Linie doch nur schamlos eine Gratisreise nach London zu erschwindeln.
Kürzlich trug es sich zu, dass ich auf einer meiner elendslangen U-Bahn-Fahrten mit einem so genannten Olympia-Exoten ins Gespräch kam. Ich erspare Ihnen seinen Namen, denn nach diesem Dialog könnte man auch ihn als Sie-wissen-schon-Was beschimpfen. Dieser reiste also um die halbe Welt, was ihm natürlich bezahlt wurde, um bei seinem Wettkampf schon nach wenigen Sekunden wieder auszuscheiden. Heim fahren wollte der Gute nicht, schließlich dürfe er sich im Olympischen Dorf bis zur Schlussfeier aufhalten. Und es gebe in London außerdem noch sooo viel zu sehen:
Die Tower Bridge, den Big Ben, das London Eye, den Trafalgar Square. Ich staunte ob dieser Aufzählung – mein Freund hatte sich auf London offensichtlich touristisch besser vorbereitet als sportlich. Um der Sache auf den Grund zu gehen, merkte ich vorsichtig an, dass er wohl auch bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro dabei sein wolle. Oder nicht?
Er wolle, und wie! Copacabana, Christus-Statue, was es da alles zu sehen gebe! Aber davor müsse (oder dürfe) er zum Wettkampf. Er sei – und diese Aussage erstaunte mich – schließlich kein Olympia-Tourist. (floh)

