Der sommerliche Talk führt Politiker zurück zum Ursprung
Wien – „Ich habe von Josef Bucher geträumt“, verriet ORF-Moderator Armin Wolf per Twitter. Wieso der BZÖ-Obmann, der erste Gast der diesjährigen öffentlich-rechtlichen Sommergespräche, Eingang in die Träume des Journalisten fand, erklärt sich aus seinem Tweet am Tag zuvor. Da habe er nämlich „über 12 Stunden Material über Josef Bucher gelesen“. Armin Wolf bereitet sich also gut auf seine Gäste, die er dieses Mal an prägenden Orten ihrer Jugend trifft, vor. „Es interessiert mich, wie sie in die Politik gekommen sind“, so Wolf. „Wie ist zum Beispiel Herr Strache vom Zahntechnikerlehrling zum FPÖ-Chef geworden, wie ist der in diese schlagende Verbindung und zum Fechten gekommen? Ich glaube, darüber hat man mit den Leuten noch sehr wenig geredet. Das finde ich spannend.“ Er habe aber nicht die Erwartung, dass man in den 50 Minuten „fünf völlig neue Menschen kennen lernt, das wäre relativ absurd“.
Im Sinne der Ausgewogenheit freut sich der ORF-Journalist auf alle seine Gäste gleich, wiewohl sie „alle mühsam sind“. Das liege weniger an den Personen als in der Natur der Sache, da die Politiker eine völlig andere Erwartungshaltung an die Gespräche haben. „Die kommen ja normalerweise nicht, weil sie sich so sehr auf meine Fragen freuen und die unbedingt beantworten wollen, sondern sie kommen, weil wir ihnen 50 Minuten Sendezeit im Hauptabend anbieten und ein paar hunderttausend Zuseher davor sitzen. Dies sind deren Interesse, nicht, dass ich danach mit dem Gespräch zufrieden bin – und das ist grundsätzlich mühsam.“ Mühsam kann auch Wolfs Kritik gegen sich selbst sein. „Ich bin sicher mit Abstand mein härtester Kritiker. Im Gegensatz zu manchen freundlichen Interviewkommentatoren oder manchen freundlichen Zuschauern war ich noch mit keinem meiner Interviews hundertprozentig zufrieden.“
Wolf wundert sich aber über den „Hype“ und die Erwartungshaltung rund um den sommerlichen Polit-Talk: „Es sind doch einfach 50-minütige Interviews mit Parteichefs.“ Ob die Sommergespräche schließlich interessant werden oder nicht, „wird nicht nur von mir, sondern zu einem wesentlichen Teil von den Gesprächspartnern abhängen. Wenn sie tatsächlich nur bereit sind, lauter vorbereitete Textbausteine abzuliefern, die man schon kennt, dann wird es eher unspannend werden, aber das kann ja auch nicht in ihrem Interesse sein.“ Ob er wieder Asse im Ärmel hat, wie etwa 2005, als er FPÖ-Chef HC Strache nachweisen konnte, eine Ernst-Jünger-Buchrezension von einer Neonazi-Homepage abgeschrieben zu haben, will Wolf nicht verraten: „Sonst wären sie ja nicht mehr in meinem Ärmel.“
Die ORF-Sommergespräche finden montags um 21.05 Uhr auf ORF 2 statt. Morgen, den 13. August, fällt der Startschuss. Aufgezeichnet werden die Gespräche am Nachmittag an Orten, die von den Gesprächspartnern ausgesucht wurden: Also in Kärnten (Josef Bucher, Eva Glawischnig), Niederösterreich (Michael Spindelegger) und in Wien (Werner Faymann, Heinz-Christian Strache). (APA, ritz)


