Deutscher überlebte eine Woche in Tiroler Gletscherspalte
Gries im Sellrain – „Ein kleines Wunder“, da sind sich die Retter einig, ereignete sich am Dienstag am Längentaler Ferner in den Stubaier Alpen. Ein 70 Jahre alter Wanderer aus Bayern wurde von Bergrettern aus einer 20 Meter tiefen Gletscherspalte geborgen – erschöpft, müde, aber „sehr erleichtert“, wie der Ortsstellenleiter der Bergrettung Gries im Sellrain, Gerhard Baumann, gegenüber der Tiroler Tageszeitung Online angab.
Sechs Tage lang harrte der Deutsche nach eigenen Angaben in der Spalte aus. Was unglaublich klingt, bestätigte der Hüttenwirt vom Westfalenhaus, von dem aus der Mann zur Wanderung aufgebrochen war. Rinaldo De Biasio gab gegenüber der TT an, dass der Deutsche am 8. August die Hütte um etwa 7.30 Uhr verlassen hatte, um zur Amberger Hütte zu wandern. Vom Westfalenhaus sollte es über den Längentaler Ferner auf das Längentaljoch gehen. Danach führt der Abstieg über das Schrankkar zur Amberger Hütte.
Keine Steigeisen
Doch am Gletscher, dessen Spalten „nicht unterschätzt“ werden sollten, wie in den Beschreibungen der Tour nachzulesen ist, geschah das Unglück. Der Wanderer rutschte aus und stürzte in die Gletscherspalte.
„Er war gut, aber für eine Gletscherwanderung nicht ausreichend ausgerüstet“, gab Franz Santer, der den Einsatz der Rettungskräfte leitete, am Telefon gegenüber der TT an. Ohne Steigeisen über das blanke Eis, das sei riskant. „Er hat Glück gehabt, dass der Rucksack mit reingefallen ist“, setzte Santer seine Erzählung fort. Denn darin habe er Proviant und Ausrüstung gehabt, was dem Mann wohl das Leben rettete.
Am Dienstag gegen Mittag hörten Alpinisten am Gletscher die Hilferufe des Verzweifelten. Eine 28-jährige Deutsche setzte einen Notruf ab, rasch ging die Alarmierung von der Leitstelle an die Einsatzkräfte. Christophorus-Heli und Bergretter machten sich auf den Weg.
„Die Bergung war eher schwierig. Die Bergrettung musste Eisschrauben setzen, eine Seilverankerung aufbauen und den Mann mittels Mannschaftsseilzug bergen“, schilderte Alpinpolizist Hansjörg Knoflach den Einsatz. Der verunglückte Alpinist wurde in die Innsbrucker Klinik geflogen. „Die Person war bei der Bergung total erschöpft, total mitgenommen, total durchnässt – aber ansprechbar“, berichtete Knoflach. „Für dieses Ereignis war er eigentlich in gutem Zustand.“
Überleben im Schutz der Gletscherspalte
Das bestätigte auch Dr. Volker Wenzel, stellvertretender Direktor der Anästhesie : „Der Zustand des 70-Jährigen ist sehr stabil“, erklärte er bei der Pressekonferenz. Der Bayer habe sich seine Nahrung gut eingeteilt und Gletscherwasser getrunken, berichtete Wenzel. Ein weiterer Grund, warum der Mann überlebt hat, war sicher auch die Spalte selbst, meint Einsatzleiter Santer. „Da unten in der Gletscherspalte ist es ein wenig wärmer“, gab er gegenüber der TT an.
Sechs Tage im Eis – nicht nur für die Alpinpolizei schlichtweg „unglaublich“, eine „Sensation“. „Endlich einmal eine gute Nachricht“, formulierte es Baumann.
Der Verunglückte hatte nach seiner Rettung übrigens nur einen Wunsch: Eine halbe Maß Radler – „eine ganze wäre mir jetzt doch zu viel“. (tt.com)
aktualisiert: Mi, 15.08.2012 10:01


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