„Betrete nie mehr einen Gletscher“
Innsbruck – Gletscher will jener deutsche Alpinist (70), der am Dienstag nach sechs Tagen aus einer Gletscherspalte im Sellraintal gerettet worden ist, nie mehr betreten. Das berichtete sein behandelnder Arzt, Volker Wenzel, am Donnerstag.
Der Bayer, wurde bereits auf die Normalstation der Unfallchirurgie an der Innsbrucker Klinik verlegt. „Die Beeinträchtigung seiner Nieren durch das an Mineralien arme Gletscherwasser ist korrigiert“, erklärte sein Arzt. Der Mann habe einige kleinere Knochenverletzungen, die aber nicht akut behandelt werden müssten. Auch bei den Erfrierungen an den Füßen müsse abgewartet werden, Folgeschäden seien nicht zu befürchten.
Nach den Schilderungen des Deutschen habe sich dieser in der Spalte „sehr schlau“ verhalten, betonte der Mediziner. So habe er mit Isolierfolie das jeweils kälteste Körperteil umwickelt, die Hände unter die Achseln gesteckt und die warme Ausatemluft unter seine Kleidung geblasen. Obwohl sein erster Gedanke nach dem Sturz „das war‘s“ gewesen sei, habe er sich gut organisiert: „Er hat sich überlegt, wann Bergsteiger vorbeikommen und zwischen 10 und 16 Uhr um Hilfe gerufen“, erzählte der Arzt.
Der Deutsche sei wohl der Meinung gewesen, dass Bergschuhe für den Gletscher genügten, meinte Wenzel auf Fragen, warum der Mann ohne Steigeisen unterwegs war. In der Spalte habe er nie die Hoffnung aufgegeben. „Er hat erzählt, dass das Schlimmste für ihn gewesen wäre, seine Söhne und Enkel nicht mehr zu sehen.“ In sein normales Leben will der 70-Jährige auch sobald wie möglich zurück. „Er will keine Interviews geben und auch kein Buch schreiben.“ (cm, ale)
aktualisiert: Fr, 17.08.2012 12:17


