28.08.2012
Tirol

Strom wird kräftig teurer, Tirol als Batterie Europas

Der Strompreis wird mittelfristig um bis zu 25 Prozent steigen, warnt die E-Control. Sie drängt auf deutlich raschere Kraftwerksverfahren.

Von Alois Vahrner

Innsbruck – Die Energiewende in Deutschland wird sich nach Einschätzung von Vattenfall-Europa-Chef Tuomo Hatakka verzögern und Strom bis 2020 um fast ein Drittel teurer machen. „Die Energiewende ist sinnvoll, aber alles andere als gratis“, sagt auch der Vorstand des staatlichen Energie-Regulators E-Control, Martin Graf, gegenüber der TT. Er rechnet damit, dass auch die heimischen Strompreise mittelfristig um bis zu 25 Prozent steigen werden.

Deutschland koste der Atomausstieg laut einer Studie der TU Berlin direkt und indirekt unglaubliche 335 Mrd. Euro bis zum Jahr 2030. Österreich werde mit 150 bis 200 Mio. Euro getroffen.

Österreichs Energiebranche müsse bis zum Jahr 2020 insgesamt 16 Mrd. Euro investieren, je 8 Mrd. Euro in neue Kraftwerke sowie den Ausbau der Netze, sagt Graf. Im europäischen Stromkonzert gehe es um das „magische Dreieck“ von Produktion, Netzen und Speicherung. Wegen des Booms bei Windkraft und Sonnenenergie würden Pumpspeicherkraftwerke noch stark an Bedeutung dazugewinnen. Tirol habe eine wichtige Rolle als „Batterie“.

In ganz Europa sind derzeit 170 solcher Kraftwerke in Betrieb, der Großteil des Zuwachses soll aus der Schweiz, Österreich und Deutschland kommen. In Tirol gibt es ja mit dem geplanten Ausbau der Kraftwerke Kaunertal und Sellrain-Silz geplante Großprojekte. Es werde auch eine Vielzahl von kleineren Projekten geben, wobei Graf hier klar für Wasserkraft und Wind und gegen Biomasse votiert. Dessen sinnvolles Potenzial sei ziemlich ausgeschöpft.

Wenn Österreich die Energiewende unbeschadet überstehen wolle, brauche es deutlich raschere Verfahren als bisher. Ein Negativbeispiel sei das noch immer nicht endgültig entschiedene Grenzkraftwerk Inn (GKI).

Für die Tiroler Energieversorger verteilt die E-Control gute Noten. Die Stromkennzeichnung funktioniere, Tirol sei dank des Zukaufs von Öko-Zertifikaten atomstromfrei. Preislich liege Tirol am untersten Ende. Während ein durchschnittlicher Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch in Niederösterreich 700 Euro zahlen müsse, seien es in Tirol nur knapp 600 Euro. Beim reinen Energiepreis sei Strom in Tirol ein Viertel billiger als in Ostösterreich. In Österreich liege der Öko-Aufschlag bei 40 Euro, in Deutschland bei 150 Euro.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 28.08.2012
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