27.08.2012, 11:37  Aktualisiert: 02.09.2012, 01:01 
Tirol

Stoiber: „Ich führe meinen Doktortitel unverändert“

Spekulationen um Plagiatsverfahren gegen Sohn von Bayerns Ex-Minis-terpräsident. Möglicherweise befasst sich bereits II. Uni-Instanz damit.
Schweigen an der Universität Innsbruck: Hinter verschlossenen Türen wird die Causa Stoiber behandelt.Foto: Böhm
Foto: Tiroler Tageszeitung / Thomas Bö

Von Peter Nindler

Innsbruck – Seit Herbst 2011 beschäftigt die 2010 am Institut für Politikwissenschaften der Universität Innsbruck verfasste Dissertation von Dominic Stoiber die Universitätsführung in der Tiroler Landeshauptstadt. Auf 287 Seiten hat sich der Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber mit der Föderalismusreform in Deutschland beschäftigt. Fest steht, dass Stoibers Doktorarbeit „Die Föderalismusreform I der Bundesrepublik Deutschland: Beschreibung und Bewertung der Reform und eine Analyse der Bewährung in der Praxis anhand des Nichtraucherschutzes“ viele Fragen aufweist, ein Plagiatsverdacht steht im Raum.

Einerseits geht es um schlampiges Zitieren, zum anderen hat der 32-Jährige zumindest in einem Fall von einer an der Universität Siegen verfassten Seminararbeit aus dem Jahr 1997 abgeschrieben. Dabei erwähnt Stoiber den ursprünglichen Autor mit keinem Wort. Der bekannte österreichische Plagiatsexperte Stefan Weber hat einzelne Seiten von Stoi­bers Dissertation im März 2012 einer PlagScan-Auswertung unterzogen und zahlreiche fragwürdige Passagen sowie Mängel festgestellt: Ob es sich dabei um Lässlichkeit, Schlamperei oder um systematische Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis handelt, musste die Universität Innsbruck bewerten.

Zuletzt mehrten sich die Gerüchte, dass die Uni die Prüfung bereits abgeschlossen hat und sich nach der I. Instanz jetzt der Senat der Universität als Berufungsinstanz mit dem Fall Stoiber beschäftigt. Offizielle Stellungnahme dazu gibt es aus Datenschutzgründen und wegen der Amtsverschwiegenheit nicht.

Bayerische Medien wie der Münchner Abendzeitung gab Dominic Stoiber jedoch Ende Juli Anlass zu Spekulationen, weil er nach seinem beruflichen Wechsel zur BMW-Group in der offiziellen Adressen- und Abteilungsliste nicht als „Dr. Stoiber“ geführt wird. Er baue bereits vor, heißt es. Interviews verweigerte er bisher, gegenüber der Tiroler Tageszeitung brach Stoiber sein Schweigen. Er war allerdings betont einsilbig. Auf die Frage, ob er den Doktortitel deshalb nicht mehr verwendet, weil er ihm von der Universität aberkannt wurde, antwortet Stoiber: „Ich führe den Titel unverändert.“

Auf Zusatzfragen wollte Edmund Stoibers Sohn, der in Bayern auch politisch für die CSU aktiv ist und als möglicher Landratskandidat der CSU Wolfratshausen gehandelt wird, dann nicht mehr eingehen. So überging er kommentarlos die Frage, ob er seinen akademischen Grad deshalb noch führe, weil er möglicherweise Berufung gegen eine negative Entscheidung der Universät eingelegt habe.

Sollte es jedoch ein Berufungsverfahren in der Causa Stoiber geben, muss sich der Universitätssenat mit der Angelegenheit befassen. Im Herbst könnte dieses abgeschlossen werden. Wie die Entscheidung ausgeht, wird die Öffentlichkeit von der Universität nicht erfahren. Einzig Dominic Stoiber kann dazu Stellung nehmen oder auch nicht. Derzeit gilt jedoch seine Feststellung, dass er seinen Titel noch verwendet.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 27.08.2012  11:37
aktualisiert: So, 02.09.2012  01:01
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