08.09.2012, 06:38  Aktualisiert: 08.09.2012, 14:31 
International

Bettina Wulff wehrt sich gegen Rotlicht-Verleumdungen

Am Freitag habe Wulff Klagen beim Hamburger Landgericht gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch und gegen den Google-Konzern eingereicht.

Berlin - Bettina Wulff, die Frau des früheren deutschen Bundespräsidenten, geht massiv gegen die Verbreitung von Gerüchten über ihr angebliches Vorleben vor. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, die 38-Jährige habe bei Gericht eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, wonach alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte oder als Escort-Dame falsch seien.

In den vergangenen Monaten hätten bereits 34 deutsche und ausländische Blogger und Medien Unterlassungserklärungen abgegeben. Mehrere Medienhäuser hätten Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe zahlen müssen, so ihr Rechtsanwalt.

Am Freitag habe Wulff Klagen beim Hamburger Landgericht gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch und gegen den Google-Konzern eingereicht. Jauch habe keine Unterlassungserklärung abgegeben, hieß es. Mit der Klage gegen Google solle verhindert werden, dass bei Eingabe ihres Namens automatisch Suchbegriffe wie „Rotlichtvergangenheit“ oder „Escort“ auftauchten.

Jauch: Habe Bettina Wulff nicht herabgesetzt

TV-Moderator Günther Jauch hat sich gegen Vorwürfe verteidigt, Ende 2011 in seiner Talksendung Gerüchte über das angebliche Vorleben der deutschen Ex-“First Lady“ Bettina Wulff verbreitet zu haben. Er wolle einen Anspruch auf Unterlassung aber anerkennen, um den Rechtsstreit zu beenden.

„Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der ‚Berliner Zeitung‘ zitiert“, sagte Jauch am Samstag in einer über seinen Anwalt Christian Schertz herausgegebenen Erklärung in Berlin. „Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben“, betonte Jauch im Rückblick auf die Sendung am 18. Dezember vorigen Jahres.

Er habe aber kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Schertz erläuterte, er habe Wulffs Anwalt Gernot Lehr mitgeteilt, dass ein Anspruch auf Unterlassung aber anerkannt werde. „Ich habe, um die Sache zu beenden, Herrn Lehr geschrieben, dass wir den Anspruch anerkennen - ohne ein Fehlverhalten damit einzuräumen“, sagte Schertz.

Google bestreitet Vorwürfe

Der Internet-Konzern Google hat die Vorwürfe von Bettina Wulff im Zusammenhang mit seiner sogenannten Autovervollständigungs-Funktion bei Suchanfragen zurückgewiesen. Google nehme keinen Einfluss auf die vorgeschlagenen Suchbegriffe, sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck am Samstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. „Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider.“

Die angezeigten Begriffe seien das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe. „Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor - sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben“, betonte Oberbeck. Es sei keine Meinungsäußerung, sondern ein Spiegelbild bisheriger Suchanfragen.

Buch über ihr Leben

Ihr Anwalt bestätigte, „dass in den vergangenen Monaten zahlreiche Verlage, Journalisten und Internet-Aktivisten Unterlassungserklärungen unverzüglich nach Aufforderung abgegeben haben, ohne auch nur zu versuchen, die falschen Darstellungen zu rechtfertigen“. Außerdem sei in einigen Fällen Schmerzensgeld durchgesetzt worden.

Die Zeitung berichtete, die Gerüchte seien aus niedersächsischen CDU-Kreisen gestreut worden und hätten offenbar vor allem Christian Wulff treffen sollen, der damals noch CDU-Ministerpräsident in Niedersachsen war. Kurz vor dessen Wahl zum deutschen Bundespräsidenten seien sie durch eine FDP-Kommunalpolitikerin verbreitet worden.

Bettina Wulff will nun publizistisch in die Offensive gehen. Noch im September soll ein Buch über ihr Leben erscheinen. Wulff sehe sich gezwungen, dadurch der „Zerstörung ihres Ansehens in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken“, zitiert die Zeitung ihr Umfeld. (APA/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 08.09.2012  06:38
aktualisiert: Sa, 08.09.2012  14:31
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