15.09.2012
Innsbruck

Innsbrucker Fiaker beißen auf Granit

Wollen die Kutscher in der Landeshauptstadt auch künftig durch die Maria-Theresien-Straße fahren, müssen sie ihre Pferde mit Kunststoffbeschlägen ausrüsten. Die alten Hufeisen sollen der Fußgängerzonen-Pflasterung schaden.
Vor wenigen Jahren wurde den Innsbrucker Fiakern ein einheitliches Aussehen verpasst, nun sollen auch Kunststoffhufeisen verwendet werden, die das Pflaster in der Fußgängerzone (r.) schonen sollen.Fotos: Böhm (Archiv); Murauer
Foto: Tiroler Tageszeitung / Thomas Bö
     

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Es sind Abertausende Pflastersteine, die in der nördlichen Maria-Theresien-Straße im Zuge der Fußgängerzonen-Gestaltung neu verlegt wurden. Pflastersteine aus hartem Granit. Die vieles aushalten müssen. Lkw-Lieferverkehr, Taxifahrten, tonnenschwere Veranstaltungsbühnen, Gastgärten-Anlagen – aber offensichtlich keine Hufeisen.

Wollen Innsbrucks Fiaker auch in Zukunft ihre Kunden durch die Fußgängerzone in der Maria-Theresien-Straße kutschieren, müssen sie ihre Pferde anstatt der herkömmlichen Hufeisen mit so genannten Zwei-Komponenten-Kunststoffbeschlägen ausrüsten. So will es die Politik und auch der Magistrat. Erst am Mittwoch schmetterte der Innsbrucker Stadtsenat die Einsprüche dreier Fiakereien gegen einen diesbezüglichen Bescheid des Magistrats vom März dieses Jahres ab.

Die Innsbrucker Prachtstraße gehört zum Fixpunkt der touristischen Fiaker-Fahrten durch die Stadt. Für das Durchfahren muss aber in regelmäßigen Abständen um eine Ausnahmegenehmigung angesucht werden. Im Frühjahr war dies für die Fiaker erneut der Fall. Eine Zwei-Jahres-Bewilligung wurde ausgestellt – eine mit Auflage. Darunter auch die des Beschlagwechsels.

Ursprünglich, so bestätigt Tiefbau-Amtsleiter Walter Zimmeter, habe man die Fiaker gänzlich umleiten wollen. Denn die Pferde würden dem Pflaster der Maria-Theresien-Straße zusetzen. Speziell herausstehende Nägel, Stifte bzw. Stollen aus Metall würden die Kanten der Steine abschleifen und oberflächige Kratzspuren am Granitstein hinterlassen. Aber auch das taktile Leitsystem für Blinde würde unter den eisenbeschlagenen Hufen leiden.

Also begab sich das Amt für Verkehrsplanung zunächst auf die Suche nach Alternativrouten. Ohne zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Museumstraße, Marktgraben? Weder für die Touristen noch für das ohnedies auf diesem Abschnitt oft stockende Vorankommen der Öffis sei diese Fiaker-Strecke ein Gewinn. Was also tun?

Die Fiaker jedenfalls wollen sich mit den nun vorgeschriebenen Kunststoffhufeisen nicht anfreunden. Nicht nur, weil der Verschleiß höher sei und ergo auch die Kosten. So soll der Kunststoffbeschlag schon nach zwei bis drei Wochen zu erneuern sein, das alte Hufeisen halte wesentlich länger. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch keine unwesentliche Frage. Es sind aber in erster Linie gesundheitliche Schäden, die die Unternehmer für ihre Pferde befürchten. Die Stadt kontert, indem sie darauf verweist, dass mangels einschlägiger Studien derzeit nicht gesagt werden könne, ob eine Gesundheitsgefährdung gegeben sei. Recherchen unter anderem bei der veterinärmedizinischen Uni Wien hätten aber ergeben, dass diese Beschläge nicht zwangsläufig für den harten Fiaker-Einsatz geeignet seien. Umso wichtiger sei eine sachgemäße Verwendung bzw. regelmäßiger Austausch. Und so wurde auch die Auflage erteilt, die Tiere einmal pro Monat von einem Veterinärmediziner untersuchen zu lassen.

Leonhard Astner, Tierarzt an der Tierklinik Gnadenwald, würde sein Pferd nicht damit beschlagen lassen und rät von den Kunststoffbeschlägen ab. Aus orthopädischer Sicht sei das „nicht so toll“. Herkömmliche Hufeisen würden den Pferden eine gewisse Rutschphase ermöglichen, der Kunststoff baue aber mehr Haftung auf – die Gelenke hätten in Folge auch mehr Energie abzufedern.

Für Fiaker-Unternehmerin Belinda Pichler ist nach der abschlägigen Berufung klar: Sie wird ihre Pferde nicht mit den Hufeisen aus Kunststoff beschlagen lassen: „Das schadet meinen Pferden.“ Ebenso die Konsequenz daraus: „Dann fahre ich halt nicht mehr in die Maria-Theresien-Straße.“

Wer trotzdem in die Fußgängerzone einfährt, dem dürfte eine Strafe drohen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 15.09.2012
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
Panoramablick
Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
AGB Kontakt Impressum