15.09.2012, 15:36  Aktualisiert: 15.09.2012, 16:08 
Libanon-Reise

Friedenskultur, neue Brüderlichkeit - Benedikts Rezepte für Nahost

Gegen Konflikt und Krieg, für eine Erziehung zum Frieden, also gegen die Gewalt: Im Libanon sieht der Papst ein Vorbild für den Nahen Osten.
Im Libanon plädiert Benedikt für eine „neue Brüderlichkeit“. Er hielt bereits am Freitag eine Messe.
Foto: APA (epa)/WAEL HAMZEH

Von Hanns-Jochen Kaffsack

Beirut - Das muss ihm gefallen haben: An den Straßen Beiruts warten auch verschleierte Frauen in typisch muslimischer Kleidung auf das Papamobil, schwenken Fähnchen und jubeln. Wo Benedikt XVI. gerade hinfährt, dort stößt er auf ein „Klima großer Herzlichkeit“, wie sein Sprecher Federico Lombardi lobend erwähnt.

Der katholische Kirchenführer aus Rom spricht locker und ohne förmliche Reden mit den Chefs der muslimischen Gruppen im Libanon. Sie versichern ihm, auch die Muslime wollten, dass die Christen im Nahen Osten blieben.

Eigentlich könnte Benedikts Besuch in Beirut als brisant gelten, vor dem Hintergrund brennender Konsulate und Aufruhr hier und dort unter den Muslimen wegen des üblen Anti-Mohammed-Videos aus den USA. Joseph Ratzinger ist aber nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, er ist gekommen, seine Rezepte gegen Hass, Konflikt und Krieg in der gebeutelten Nahostregion auszubreiten. „Natürlich ist er von seinen Mitarbeitern auch darüber informiert worden“, über die Gewalt und Demonstrationen, sagt Lombardi. Doch dazu kein direktes Papst-Wort.

Benedikt schweigt nicht, hält sich auch nicht raus, er sagt es nur nicht in der Sprache der Politiker. Immerhin ist er der höchste Seelsorger seiner Weltkirche und Chefdiplomat: „Es geht darum, Nein zur Rache zu sagen, eigene Fehler einzugestehen, Entschuldigungen anzunehmen, ohne sie zu suchen, und schließlich zu vergeben.“ Das könnte ein ganzes christliches Programm für den Nahen Osten sein. Für den wünscht sich Benedikt eine neue Brüderlichkeit, Erziehung gegen die Gewalt, eine alle Religionen umarmende Friedenskultur.

Gewalt, ob verbal oder körperlich, möchte er ächten. Darunter würde das Mohammed-Video ebenso fallen wie das, was es entfesselt hat. Das Leben gelte es zu verteidigen, gegen Krieg und Terrorismus und alle anderen Angriffe auf den Menschen. Das meint immer auch das Bürgerkriegsland Syrien; der Blutzoll dort hatte den Papst mehrfach zu flammenden Friedensappellen veranlasst. Friedfertigkeit, Dialog, Respekt - das steht mit im Zentrum päpstlicher Wunschvorstellungen.

Einen kleinen Einblick in Benedikts Sichtweise und Gemütslage gibt der Jesuitenpater Lombardi, sein Sprecher: „Diese Reise in den Libanon ist an sich schon die Botschaft; sein Hiersein ermutigt zu einem friedlichen Zusammenleben.“ Er sei absolut entschlossen, diese Reise in die Konfliktregion jetzt zu tun, soll Benedikt gesagt haben.

Als selbsterklärter „Nichtpolitiker“ steht der Papst gleichsam über den Dingen. Er muss appellieren, die Rolle der Kirche in der Gesellschaft zu stärken versuchen, die Christen nicht nur in dieser Region aufrufen, nicht einfach aufzugeben. Und den Libanon, den er gerade besucht, sieht er dabei als Vorbild dafür, dass Religionen und Kulturen doch ein wenig konfliktfreier zusammenleben können. (Hanns-Jochen Kaffsack ist Korrespondent der Deutschen Presse Agentur.)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 15.09.2012  15:36
aktualisiert: Sa, 15.09.2012  16:08
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
Panoramablick
Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
AGB Kontakt Impressum