12.10.2012, 12:31  Aktualisiert: 12.10.2012, 13:30 
BZÖ in der Krise

BZÖ schrumpft merklich: Ein Drittel weg

Von ursprünglich 21 Mitgliedern sind nach dem Abgang von Christoph Hagen zur Stronach-Partei gerade noch 14 übrig.
Der Vorarlberger Christoph Hagen wechselt „aus Frustration“ vom BZÖ zum Team Stronach.
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH

Wien – Die Umfragewerte sind im Keller (TT.com berichtete), nun reiht sich auch noch akuter Personalmangel in die Liste der Probleme des BZÖ: Das Bündnis hat in dieser Legislaturperiode einen außergewöhnlichen Schrumpfungsprozess vollzogen. Mit dem Abgang von Christoph Hagen zur Stronach-Partei ist schon ein Drittel der orangen Sitze abhanden gekommen. Gehörten dem Klub des Bündnisses nach dem sensationellen Wahlerfolg unter Spitzenkandidat Jörg Haider im Jahr 2008 ursprünglich 21 Mitglieder an, sind es seit heute gerade noch 14.

Begonnen hatte es mit dem Abgang der Kärntner Freiheitlichen, die sich im Dezember 2009 wieder der FPÖ anschlossen. Martin Strutz, Maximilian Linder und Josef Jury verließen im Zuge dessen den BZÖ-Klub und sind mittlerweile in die freiheitliche Fraktion integriert. Immerhin konnte man sich damals freuen, dass die Kärntner Josef Bucher, Sigisbert Dolinschek, Stefan Markowitz und Stefan Petzner erhalten blieben. Doch das war es noch lange nicht.

Erich Tadler wurde im Jänner 2010 rausgeschmissen, nachdem er angeblich finanzielle Wünsche für seinen Verbleib im orangen Nationalratsklub geäußert hatte, was vom mittlerweile zum Stronach-Mandatar gewordenen Abgeordneten stets bestritten wurde. Im September 2011 war dann Robert Lugar an der Reihe. Er ging, als er nicht BZÖ-Generalsekretär wurde, und ist mittlerweile quasi zum Stronach-Sprachrohr mutiert. Auch Elisabeth Kaufmann-Bruckberger, die ihr Mandat erst seit vergangenen Dezember als Ersatz für den nunmehrigen EU-Abgeordneten Ewald Stadler innehat, wechselte zu Stronach.

Mit Hagens Abgang ist die Gruppe der Orangen auf 14 geschrumpft. Hätte man den zwischendurch wegen staatsanwaltlicher Ermittlungen aus dem Klub gebetenen Gerhard Huber nicht mittlerweile wieder aufgenommen, wären es gar nur noch 13.

Ein paar Monate später sieht das freilich anders aus. Nur rund zwei Prozent würden demnach derzeit die orangen Farben wählen. Ein veritabler Absturz von den 10,7 Prozent bei den vergangenen Nationalratswahlen.

Hagen sollen weitere BZÖ-Abgeordnete folgen

Hagen begründete seinen Abgang vom BZÖ unterdessen mit „Frustration“. Die Vorarlberger Landesgruppe sei von Bündnis-Chef Josef Bucher „im Stich gelassen“ worden, sagte er am Freitag auf einer Pressekonferenz. Obwohl die Partei des Milliardärs mit Hagen nun bereits fünf aktive Abgeordnete aufweisen kann, wird noch kein Klubstatus beantragt. Denn bis Ende Oktober rechne man ohnehin mit weiteren Wechseln aus dem orangen Lager, womit man fünf Mandatare aus der gleichen Wahlpartei hätte – was automatisch Klubstatus bedeuten würde.

Der bereits im August zu Stronach gewechselte Ex-BZÖ-Abgeordnete Robert Lugar, der am Freitag gemeinsam mit Hagen vor die Presse trat, gab sich zuversichtlich, dass das Team Stronach noch bis Monatsende einen fünften Abgeordneten aus dem Bündnis abwerben kann. Namen wollte er keine nennen, auch werde man seitens Stronachs nicht mehr aktiv auf mögliche Kandidaten zugehen. Die Wechselbereitschaft bei anderen Mandataren sei jedenfalls da. Auch aus der ÖVP hätten bereits vier Abgeordnete Interesse gezeigt. Einen davon habe man aber bereits ablehnen müssen, da man „unbelastete“ Abgeordnete wolle.

Hagens Aufgabe werde es sein, in Vorarlberg eine Landesgruppe aufzubauen, wie er selbst erklärte. An Personal werde es dabei jedenfalls nicht mangeln, meinte er. Vorwürfe, er habe dem BZÖ gegenüber sein Wort gegeben, nicht zu Stronach zu wechseln, wies er zurück: „Ich habe nie mein Ehrenwort gegeben“.

Dass er noch in mehreren Interviews vom Freitag einen Wechsel zu Stronach als „Blödsinn“ bezeichnet hatte, rechtfertigte er damit, dass er vor der Bekanntgabe noch seine Freunde habe informieren wollen. Dies sei auch absolut mit den Werten Stronachs – Wahrheit, Transparenz und Fairness – vereinbar, so Hagen und Lugar. Geld habe er für seinen Wechsel jedenfalls keines bekommen, eine entsprechende Frage wies er empört zurück. (tt.com/APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 12.10.2012  12:31
aktualisiert: Fr, 12.10.2012  13:30
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