Syriens Präsident hat seine Lage gefestigt - vorerst
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Assads Trumpf ist die zerstrittene Opposition.
Foto: REUTERS
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Damaskus - Die Fotografie ist von einer trügerischen Normalität. Auf der Facebook-Seite von Syriens Präsidenten Bashar al-Assad ist dessen Frau Asmaa zu sehen. In Jeans und T-Shirt gekleidet bringt sie ihre Kinder zur Schule.
Einzig die Kleidung zweier Söhne verweist auf den Bürgerkrieg im Land: Sie tragen kurze Hosen in Tarnfarben und khaki-farbene T- Shirts.
18 Monate nach Ausbruch der Proteste scheint sich Assad trotz andauernder Kämpfe, mindestens 30.000 Toten, eines auseinanderbrechenden Landes und fast kompletter internationaler Isolation gefestigt zu haben.
„Der Kampfgeist ist ungebrochen“
Seine Unterstützer schildern, seit dem Sommer mit einer Welle von Desertionen aus der Armee und einer Vielzahl von Rebellenangriffen habe sich die Lage für den 47-Jährigen gebessert.
Ein libanesischer Politiker berichtet, seit einiger Zeit habe es im Gegensatz zu früheren Zeiten keine gravierende Zahl an Fahnenflüchtigen gegeben. „Der Kampfgeist ist ungebrochen“, berichtet er. Mit Hilfe der einzigen Verbündeten - Russland und Iran - sei es gelungen, besser auf die Rebellenangriffe und den Machtzerfall zu reagieren.
Die Facebook-Seite verrät auch, dass Assad selbst seine Rolle geändert hat. War er früher nur in ziviler Kleidung zu sehen, ist er nun dort in Uniform abgebildet.
Assad übernimmt Führung im militärischen Kampf
Das Bild will zeigen, dass Assad jetzt selbst die Führung im militärischen Kampf übernommen hat. Besucher, die vor kurzem bei Assad waren, berichten von einem selbstsicheren, kampfeswilligen Präsidenten, der überzeugt ist, militärisch die Oberhand zu gewinnen.
„Er ist nicht länger der Präsident, der von seinem Team abhängt und über seine Vertrauten regiert. Dies ist ein fundamentaler Wechsel in der Denkweise Assads“, sagt der pro-syrisch eingestellte Libanese. „Er ist nun daran beteiligt, die Schlachten zu lenken.“
Ziel der Kämpfe ist es längst nicht mehr, die Herrschaft im ganzen Land wieder herzustellen. Die Regierung konzentriert sich auf die wichtigsten Regionen: die Hauptstadt Damaskus, die Wirtschaftsmetropole Aleppo und die wichtigsten Verkehrs- und Verbindungswege.
Syrische Wirtschaft als Stütze für Assad
Eine Stütze für Assad ist auch die syrische Wirtschaft. Sie ist trotz des Bürgerkrieges noch nicht kollabiert. Allerdings sind die Kosten des Krieges enorm und es ist nicht absehbar, wie lange ein Zusammenbruch der Versorgung verhindert werden kann.
Dass Assads Regierung sich noch hält, liegt an seinen beiden Verbündeten. Für Russland geht es darum, seinen einzigen Flottenstützpunkt im Mittelmeer und mehr noch den Einfluss in der Region zu wahren. Iran möchte seinen Status als Regionalmacht nicht aufgeben, steht aber nach jahrelangen UNO-Sanktionen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand.
Assads Trumpf: Die zerstrittene Opposition
Umgekehrt scheuen westliche Staaten, die die Rebellen unterstützen, eine Verwicklung in die Kämpfe oder gar eine militärische Intervention. Der stärkste Trumpf in den Händen des 47- Jährigen ist jedoch die Zerrissenheit der Opposition.
Aktivisten berichten, dass es zu Gefechten zwischen einzelnen Gruppen der Rebellen gekommen ist. „Die Opposition muss erwachsen werden und sich abstimmen, anstatt immer nur das Mantra zu wiederholen ‚Assad muss weg‘“, sagt der Vertreter eines arabischen Staates.
„Das Problem ist viel größer“
Die Uneinigkeit der Oppositionellen hat bereits dazu geführt, dass Geländegewinne wieder aufgegeben werden mussten. In Damaskus mussten mehrere Stützpunkte in den Vororten geräumt werden. Die militärische Gefahr sehe das Regime jetzt entspannter, urteilt der libanesische Politiker.
Allen Beteiligten wird immer klarer, dass der Bürgerkrieg nicht allein mit dem Weggang Assads beendet werden kann. „Ich fürchte, das Problem ist viel größer. Das Problem ist, einen Weg zu finden, wie Syrien überleben kann, wie ein neues Syrien geschaffen werden kann“, sagt ein Vertreter eine arabischen Regierung. Jeden Tag würden die Gräben zwischen den Religionsgemeinschaften tiefer.
Noch sechs entscheidende Monate?
Der libanesische Politiker erwartet, dass sich in den kommenden sechs Monaten entscheiden wird, wie es in Syrien weitergeht. Der Mann, der den Bürgerkrieg für einen Stellvertreter-Krieg ausländischer Mächte hält, macht dafür drei Gründe geltend: In dieser Frist sei die US-Wahl beendet, würden die Russen ihre Syrien- Politik entwickeln und die Lage im Iran werde klarer sein.
Für einen westlichen Diplomaten steht indes fest: „Es wird etwas passieren, was zum Sturz des Regimes führen wird. Das kann der Fall von Damaskus sein, ein Militärputsch oder etwas anderes. Ich weiss nicht, was der Auslöser sein wird, aber das Regime wird fallen.“ (sda/Reuters)
aktualisiert: Fr, 12.10.2012 19:54


