26.10.2012
International

Gutes tun dank Porsches Luxusautos

Was das Wirtschaftssystem von der Waldorfpädagogik lernen könnte, erklärt Peter Daniell Porsche bei seinem Tirol-Besuch.

Von Beate Troger

Innsbruck – Herr Porsche stellt gerne provokante Fragen: „Muss die Wirtschaft wirklich immer wachsen, vor allem auf Kosten anderer?“, reflektiert er im TT-Gespäch.Nein, antwortet er gleich selbst: „Die Wirtschaft wächst unentwegt, während Geld immer weniger wert wird, daran drohen wir zugrunde zu gehen.“ Die Finanzwelt sei mittlerweile eine aufgeblähte Luftblase, kritisiert er: „Es geht heute nur noch darum, schneller und reicher zu sein.“

Der 39-jährige Porsche-Erbe hat sich ganz bewusst gegen eine Karriere im familieneigenen Autokonzern entschieden: „Ich habe gerade nach den jüngsten Entwicklungen keine Notwendigkeit gesehen, mich im Familienunternehmen zu engagieren“, stellt er klar.

Stattdessen absolvierte er nach dem Besuch der Waldorfschule eine Ausbildung zum Waldorfpädagogen und Musiktherapeuten und engagiert sich heute hauptberuflich für rund 150 wohltätige Projekte. Das Wirtschaftssystem solle etwa von der Waldorfphilosophie lernen, dass Wirtschaft, Natur, Kultur und die Gesellschaft untrennbar eng verflochten seien. So gehe es aber in zahlreichen großen Aktiengesellschaften nur noch darum, immer noch mehr Gewinn erzielen: „Anstatt sich an einem gesellschaftlichen Mehrwert zu orientieren, steigen Aktionäre ein, wenn der Preis tief ist, und verkaufen ihre Anteile wieder, wenn der Kurs gestiegen ist, und haben keinen Bezug zur Firma und den Menschen“, kritisiert er ein System, dem er auch selbst angehört.

Gearbeitet, um im Gegenzug Geld dafür zu verdienen, hat er sein Leben lang noch nie. „Ich arbeite aber, weil ich Geld bekomme“, versucht Porsche im TT-Gespräch zu erklären und legt mit erstaunlicher Offenheit seine Finanzen offen. Er hält 12,5 Prozent an der Porsche Holding und bekommt als Aktionär eine jährliche Dividende von ca. einer Million Euro – vorausgesetzt, das Geschäft mit den Luxusautos läuft gut. „Rund 800.000 Euro stecke ich in soziale, therapeutische, künstlerische und kulturelle Projekte“, berichtet er, für seine Frau, die vier Kinder und fünf Mitarbeiter bleiben jährlich rund 150.000 bis 200.000 Euro: „Ich verfüge über 80 bis 100 Euro pro Tag, das reicht.“

Sein Nachname sei Last und Segen zugleich. Wenn der 39-jährige Porsche-Erbe um Unterstützung für eines seiner Sozial- oder Kulturprojekte anklopft, schickt er andere vor – er selbst laufe meist gegen geschlossene Türen, berichtet er: „Ein Herr Porsche, so mag man meinen, ist ja Multimilliardär und muss nicht betteln gehen.“ Doch Peter Daniell Porsche bettelt gern, vor allem für seine Paracelsusschule in St. Jakob am Thurn im Salzburger Tennengau, in der „seelenpflegebedürftige Kinder“ eine Ausbildung bekommen.

„Ich bin meinem Namen auch sehr dankbar“, sagt Privatier Porsche. „Ohne die Gelder aus der Autoindustrie hätte ich nicht die Möglichkeit, die Gesellschaft mitzugestalten.“ Er setzt sich aber stark für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein, wie es auch Götz Werner, Gründer des dm-Drogeriemarktes, fordert. „Die Menschen wären nicht faul, sondern müssten nicht mehr in einem Beruf arbeiten, der nicht ihren Fähigkeiten entspricht und sie nicht erfüllt“, analysiert er. Die Gesellschaft leide stark darunter, dass „von Kindern zu früh, zu schnell zu viel Leistung gefordert wird“.

Und ja, der Name verpflichtet auch, Peter Daniell Porsche fährt einen Porsche, den SUV Cayenne. Er legt aber Wert darauf, zu betonen, dass er das Auto selbst bezahlt hat und führt weiter aus: „Als Familienmitglied bekomme ich lediglich denselben Rabatt wie ein Händler.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 26.10.2012
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