25.10.2012, 12:40  Aktualisiert: 25.10.2012, 13:41 
Nordkorea

Sie weinten nicht für Kim Jong-il – und büßten dafür mit ihrem Leben

Von wegen Öffnung: Das freundliche Lächeln des sich volksnah gebenden Diktators Nordkoreas, Kim Jong-un, täuscht. Mit brutaler Gewalt säubert er die Ränge des Militärs von möglichen Gegenspielern – und hält das grausame Gulag-System am Leben.
Das freundliche Lächeln trügt. Kim Jong-un führt Nordkorea mit eiserner Faust und ohne Mitleid.
Foto: APA

Pjöngjang - In den Reihen der nordkoreanischen Top-Militärs kam es nach dem Tod des „geliebten Führers“ Kim Jong-il im Dezember 2011 offenbar zu einer äußerst grausamen Säuberungswelle.

Das „Verbrechen“ einiger Generäle: sie betrauerten den Tod des Diktators angeblich nicht innig genug. Während sich Tausende Menschen verzweifelt und in Tränen aufgelöst auf den Straßen des ansonsten so verschlossenen Landes zeigten, sollen sich manche Generäle ungebührlich vergnügt haben.

Wie die Zeitung „Chosun Ilbo“ laut dem „Spiegel Online“ schrieb, wurde unter anderem der Vize-Minister für die Streitkräfte Anfang des Jahres vor ein Erschießungskommando gestellt. Kim Chol habe während der staatlich verordneten Trauerphase Alkohol getrunken, hieß es beim Spiegel. „Chosun Ilbo“ beruft sich bei seiner Meldung auf Geheimdienstinformationen von Yoon Sang-hyun vom Komitee für außenpolitische Angelegenheiten, Handel und Wiedervereinigung in Seoul.

„Nicht ein Haar darf übrig bleiben“

Demnach habe der neue Diktator des Landes Kim Jong-un die Hinrichtung angeordnet. Unklar sind noch die genauen Umstände der Hinrichtung. Der britische „Telegraph“ berichtet, Kim Chol sei mit einer Granate beschossen worden. Zuvor habe Kim Jong-un gefordert, dass „keine Spur von Kim Chol übrig bleiben“ dürfe, „nicht ein Haar“.

Die brutale Exekution ist den Berichten zu folge nicht die einzige gewesen. Nach dem Tod Kim Jong-ils sollen 14 Führungskräfte des Regimes exekutiert worden sein. Neben Kim Chol sind wohl auch Ri Yong-ho, der Führer der Armee und Ri Kwang-gon, Gouverneur der nordkoreanischen Zentralbank vor ein Erschießungskommando gestellt worden. Auch Ryu Kyong, ein hochrangiger Geheimdienst-Offizier starb im Kugelhagel.

Bei fast allen lautete der Vorwurf meist auf Alkoholgenuss. Anderen wurden Verbindungen zu einem Sex-Skandal während der Staatstrauer angelastet.

„Als Kim Jong-un Führer von Nordkorea wurde begannen hochrangige Militärs zu verschwinden“, erzählte ein Insider „Chosun Ilbo“. „Die Informationen, die wir gesammelt haben, deuten darauf hin, dass dutzende Militär-Offiziere abgeführt wurden.“

„Kim Jong-un stärkt seine Machtbasis“

Es ist davon auszugehen, dass Diktator Kim die angeblichen Vergehen als Vorwand genutzt hat, berichtet der britische „Telegraph“. Er nutzte die „Gunst der Stunde“, um sich möglicher Gegenspieler in den Reihen des mächtigen Militärs zu entledigen.

„Kim Jong-un stärkt seine Machtbasis. Es scheint, als würden die Säuberungsaktionen noch eine Weile weitergehen“, sagte Yoon Sang-hyun.

Seit er im September 2010 zur Nummer zwei hinter seinem Vater aufgestiegen ist, soll Kim Jong-un hinter der Tötung oder Absetzung von 31 Spitzenmilitärs und anderen Funktionären verantwortlich sein.

Nach anfänglichen Zeichen dafür, dass das Land unter Kim zu Reformen und einer schrittweisen Öffnung bereit sei, deuten die neuen Berichte darauf hin, dass Nordkorea weiterhin einer der grausamsten Orte der Welt bleiben wird. Dazu passen auch neue Informationen dass der nordkoreanische Gulag „Penal Labour Colony 22“ entgegen früherer Informationen noch immer in Betrieb ist.

100.000 Menschen im Gulag

Das Camp auf einer Fläche von über 100 Quadratkilometern besteht aus einer Anzahl von Gefängnis-Baracken, umgeben von elektrischen Zäunen und bewacht von mindestens 1000 bewaffneten Soldaten. Satellitenbilder zeigen, dass das Lager in weiten Teilen Konzentrations-Lager-Anlagen aus dem dritten Reich ähnelt.

Bis zu 50.000 Menschen werden im Camp 22 festgehalten. Kein Insasse ist jemals aus nordkoreanischer Gefangenschaft entflohen. Insgesamt sollen in weiteren Lagern noch einmal 50.000 Menschen Strafarbeit leisten.

2011 erklärten 120 Nationen in der Generalversammlung der Vereinten Nationen, dass sie „besorgt“ seien über die „Existenz einer großen Anzahl von Gefangenenlagern und dem exzessiven Gebrauch von Zwangsarbeit“ in Nordkorea. (tt.com, APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 25.10.2012  12:40
aktualisiert: Do, 25.10.2012  13:41
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