Dunkle Wolken über dem Opferfest - Hoffen auf Waffenruhe vergebens
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Während des Opferfests hätten die Waffen eigentlich niedergelegt werden sollen. Aber Sicherheitskräfte eröffneten ein Feuer.
Foto: APA (epa)/CESARE QUINTO
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Von Weedah Hamzah, dpa Damaskus – „Wir feiern dieses Jahr nicht. Wir beten alle nur, dass wir am Leben bleiben“, sagt der 60-jährige Abu Mohammed. Er ist auf dem Weg zur altehrwürdigen Umayyaden-Moschee in Damaskus für die traditionellen Gebete anlässlich des Eid-al-Adha, des islamischen Opferfestes.
Die syrische Regierung und die oppositionelle Freie Syrische Armee hatten sich auf eine Waffenruhe für die Dauer des viertägigen Opferfestes geeinigt. Am Freitag ab 7.00 Uhr (Ortszeit) sollten die Waffen schweigen. Doch schon nach wenigen Stunden wurden erste Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und Rebellen in der Provinz Idlib gemeldet. Unter ihnen sollen auch Anhänger der Terrorgruppe Al-Nusra-Front sein, die die Waffenruhe ablehnen.
Und das war erst der Anfang: Auch aus anderen Regionen gab es Berichte über Kämpfe. Oppositionsgruppen vermeldeten mindestens zehn Tote. Viele Syrer hatten nichts anderes erwartet. Auch frühere Abkommen waren gescheitert, vor allem ein im April vom damaligen internationalen Syrien-Vermittler Kofi Annan ausgehandelter Waffenstillstand.
In Damaskus herrschte gespannte Ruhe, die Straßen waren leer, die üblichen Festlichkeiten gedämpft. Doch die Hoffnungen waren groß: „Bis jetzt scheint es ein ruhiger Morgen zu sein“, freute sich Abu Mohammed. „Wir haben keinen Beschuss und auch kein Maschinengewehrfeuer nahe der Hauptstadt gehört. Hoffen wir, dass es so bleibt“, fügt der fünffache Vater hinzu, bevor er in Richtung Basar und Moschee verschwindet.
Am Ende des Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka, feiern die Pilger sowie alle Gläubigen der islamischen Welt Eid-al-Adha. Das Fest gilt als wichtigster islamischer Festtag und erinnert an die Bereitschaft Ibrahims (Abrahams), seinen Sohn zu opfern, um Gott seinen Glauben zu beweisen. Traditionell werden Schafe gekauft und rituell geschlachtet. Das Fleisch wird an Familie, Freunde und Bedürftige verteilt. Kinder dürfen sich über Süßigkeiten freuen und Familien besuchen die Gräber ihrer Verstorbenen.
„In Syrien werden die meisten dieses Jahr keine Schafe schlachten oder Süßigkeiten kaufen“, sagte der Oppositionsaktivist Hajtahm al-Abdallah am Telefon aus Damaskus. „Stattdessen werden sie auf den Friedhöfen ihre Toten betrauern, die ihr Leben während der nun schon 20 Monate dauernden Krise verloren haben.“
Die Restaurants in Damaskus sind spärlich besucht. Nur wenige Familien essen das Festtagsmahl außer Haus. Das geschäftige Treiben vergangener Opferfeste ist nur eine wehmütige Erinnerung. Auf den in früheren Jahren gut besuchten Jahrmärkten herrscht Leere. Nur wenige Kinder tummeln sich auf den Schaukeln. Berge von Zuckerwatte wirken beinahe unberührt.
In Damaskus hoffen die Verkäufer der süßen Leckereien trotzdem, Abnehmer für ihre Waren zu finden. „Die Geschäfte gehen sehr schlecht“, sagte ein Verkäufer. „Die Menschen sind unglücklich und nicht in Feierstimmung.“ Alle Hoffnungen ruhten auf der Waffenruhe. „Alle hoffen, dass diese dunkle Wolke über unseren Köpfen verschwindet“, meinte er.
Die Waffenruhe sei ein Test, ob Syrien überleben könne oder „mit seinen Bewohnern in Flammen aufgeht“, meinte Asma Labawani. Die Syrerin ist aus Damaskus in den Libanon geflüchtet. „Für die Syrer ist es auf jeden Fall ein trauriges Fest - Familien sind auseinandergerissen und Menschen sind auf der Flucht.“
aktualisiert: Fr, 26.10.2012 15:06


