26.10.2012, 12:00  Aktualisiert: 26.10.2012, 12:12 
Europäische Union

Sacharow-Menschenrechtspreis geht an zwei iranische Aktivisten

Die inhaftierte Oppositionsanwältin Nasrin Sotoudeh und der Filmemacher Jafar Panahi werden vom Europaparlament ausgezeichnet.
Jafar Panahi wird mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis ausgezeichnet.
Foto: EPA

Straßburg – Das Europaparlament hat den diesjährigen Sacharow-Preis für Menschenrechte an zwei iranische Menschenrechtsaktivisten vergeben. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz gab Freitag in Straßburg bekannt, dass die inhaftierte iranische Oppositionsanwältin Nasrin Sotoudeh und der iranische Filmemacher Jafar Panahi ausgezeichnet werden.

Darüber hinaus waren auch die kremlkritische russische Punkband Pussy Riot und der inhaftierte weißrussische Menschenrechtsaktivist Ales Bialiatski in die engere Auswahl gekommen.

Der Sacharow-Preis ist benannt nach dem sowjetischen Physiker und Dissidenten Andrej Sacharow. Er wird seit 1988 vom Europaparlament für wichtige Beiträge im Kampf für Menschenrechte und die Demokratie vergeben. Der Gewinner erhält 50.000 Euro, die feierliche Auszeichnung soll am 12. Dezember in Straßburg vergeben werden.

„Klare Absage an das Regime in Teheran“

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sieht in der Vergabe des Sacharow-Preises für Menschenrechte an zwei iranische Menschenrechtsaktivisten auch eine „klare Absage an das Regime in Teheran“. Beide Aktivisten „stehen für alles, wofür auch wir stehen. Wir sagen ihnen deutlich, ihr seid nicht allein“. Schulz sagte, er hoffe „inständig, dass sie im Dezember persönlich auch nach Straßburg kommen können, um den Preis entgegenzunehmen. Ich rufe die iranischen Behörden auf, alles zu tun, um dies zu ermöglichen“.

Der Parlamentspräsident betonte, mit der Auszeichnung werde auch die Solidarität und Bewunderung für die inhaftierte iranische Oppositionsanwältin Nasrin Sotoudeh und den iranischen Filmemacher Jafar Panahi ausgedrückt. Beide hätten sich Angst und Einschüchterung im Iran nicht beugen wollen und „beschlossen, das Schicksal ihres Landes ihrem eigenen persönlichen Schicksal überzuordnen“. Wegen ihrer mutigen Taten sei Soutoudeh ihrer Familie entrissen und wegen angeblicher Propaganda gegen die Staatsführung angeklagt und zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

Einstehen für Freiheit und Menschlichkeit

Panahi wiederum sei einer der berühmtesten international anerkanntesten Filmregisseure. „Seine Filme sind lebhafte Porträts eines komplexen reichen und schönen Landes und seiner Bewohner“. Dabei stelle auch die Widersprüchlichkeiten und Alltagsprobleme der Iraner dar. „Nichts fürchtet das Regime mehr, als dass die bittere Realität, die in den Ländern herrscht, dargestellt wird und daher will man Leute wie Panahi zum Schweigen bringen“.

EU-Vizepräsident und ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas sagte, „die beiden Preisträger stehen stellvertretend für Millionen Iraner, die ein freies Leben führen wollen. Wir zeichnen Nasrin Sotoudeh und Jafar Panahi für ihren beindruckenden Mut, ihr Beharrungsvermögen und ihr Einstehen für Freiheit und Menschlichkeit aus.“ (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 26.10.2012  12:00
aktualisiert: Fr, 26.10.2012  12:12
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