26.10.2012, 12:00  Aktualisiert: 26.10.2012, 12:06 
Italien

Berlusconi Ade! Rennen um die Nachfolge beginnt

Mehrere Schwergewichte des Mitte-Rechts-Lagers duellieren sich um Spitzenkandidatur für die kommenden Parlamentswahlen.
Silvio Berlusconi hatte am Mittwoch seinen Verzicht auf seine Kandidatur um eine sechste Amtszeit als Premier angekündigt.
Foto: EPA

Rom – Nach der Ankündigung von Silvio Berlusconi, auf eine neuerliche Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten zu verzichten, hat in seiner Mitte-Rechts-Partei Volk der Freiheit (PdL) das Rennen um seine Nachfolge begonnen. Mehrere Schwergewichte der Gruppierung wollen sich in das Duell um die Parteiführung stürzen. Entscheiden sollen die voraussichtlich am 16. Dezember stattfindenden Vorwahlen, bei denen die Anhänger der Partei den Spitzenkandidaten für die Parlamentswahlen im nächsten Frühjahr bestimmen.

An Bewerbern für Berlusconis Nachfolge fehlt es nicht. Der Ex-Gouverneur der Region Veneto und frühere Landwirtschaftsminister Giancarlo Galan hofft auf eine Chance. „Ich will dem liberalen Flügel der Partei neue Stimme verleihen, der in den letzten Jahren an Gewicht verloren hat. Ich habe eine 15-jährige Erfahrung an der Spitze einer großen norditalienischen Region“, erklärte Galan.

Auch die Berlusconi-Vertraute Daniela Santanche hat ihre Bereitschaft signalisiert, sich an den Vorwahlen zu beteiligen. Sie führt schon seit Monaten einen scharfen Kampf gegen die Regierung Monti. „Die italienischen Familien und Unternehmen wollen sich nicht von Europa und einer Regierung erdrosseln lassen, die lediglich auf Steuern setzt, um die Bilanzen zu sanieren“, erklärte die für ihr kämpferisches Temperament bekannte Santanche. Sogar die Duce-Enkelin Alessandra Mussolini überlegt eigenen Angaben zufolge eine Kandidatur.

Ins Rennen geht auch der 42-jährige Parteichef Angelino Alfano, der seit Juli 2011 den PdL führt. Alfano war zuletzt mit Berlusconi über die künftige Parteistrategie in Konflikt geraten. Nachdem aus Meinungsumfragen hervorgegangen war, dass der PdL auf ein Rekordtief von elf Prozent sinken würde, sollte Berlusconi antreten, hatte Alfano mit seinem Rücktritt gedroht, hätte der Medienmogul nicht auf seine Kandidatur verzichtet. Berlusconi musste schweren Herzens dem Druck nachgeben. In den nächsten Tagen will die Parteispitze bekanntgegeben, wann und wie die Vorwahlen stattfinden.

Auch der scheidende Präsident der Lombardei, Roberto Formigoni, erwägt seine Kandidatur. Infolge eines ausgedehnten Korruptionsskandals im lombardischen Regionalparlament hatte Formigoni vor zwei Wochen das Handtuch werfen müssen. Der römische Bürgermeister Gianni Alemanno bestritt dagegen, dass er an den Vorwahlen teilnehmen werde.

Berlusconi hatte am Mittwoch seinen Verzicht auf seine Kandidatur um eine sechste Amtszeit als Premier angekündigt. „Ich bleibe aber an der Seite derer, die jünger sind und Tore schießen wollen“, sagte der fußballversessene 76-Jährige, der vor 18 Jahren erstmals Regierungschef wurde. Er habe zwar noch immer ausreichend Muskeln und einen Kopf auf seinen Schultern, doch seine Rolle werde es sein, zu beraten. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 26.10.2012  12:00
aktualisiert: Fr, 26.10.2012  12:06
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