Verbalschlacht um Wehrpflicht am Heldenplatz
|
Generalstabschef Edmund Entacher, Verteidigungsminister Norbert Darabos, Bundeskanzler Werner Faymann und Bundespräsident Heinz Fischer während der Angelobung von Rekruten des österreichischen Bundesheeres am Nationalfeiertag am Wiener Heldenplatz.
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER
|
||
Wien – Der heutige Nationalfeiertag ist wie erwartet ganz im Zeichen der Heeresdebatte gestanden. Wehrpflicht-Befürworter und –Gegner lieferten sich bei den offiziellen Ansprachen am Heldenplatz einen kleinen Schlagabtausch. Dem Publikumsinteresse tat das freilich keinen Abbruch. Das Bundesheer zählte bei seiner Leistungsschau am Donnerstag und Freitag insgesamt 800.000 Besucher. Großen Andrang gab es auch beim Tag der Offenen Tür in den Ministerien. Vor dem Bundeskanzleramt und der Hofburg stellten sich schon zu Mittag Hunderte Menschen um Einlass an.
Bundeskanzler Werner Faymann (S) setzte heuer auf die Kunst. Den gesamten Nachmittag über gaben Mitglieder des Burgtheater-Ensembles im Bundeskanzleramt kurze Kostproben. Der Kanzler selbst bewarb sogar im Angesicht des Volkes die EU-Hilfen, indem er daran erinnerte, dass auch Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen worden sei.
Als eifriger Händeschüttler erwies sich Vizekanzler Michael Spindelegger (V), der sich im Außenministerium großen Andrangs erfreuen durfte. Zu zeigen hatte er dem Publikum die EU-Beitrittsgesuche Österreichs, die erstmals ausgestellt wurden. Bundespräsident Heinz Fischer empfing stets gut gelaunt Tausende Besucher von allen Kontinenten.
Fischer: Aufgabe das Volk zu schützen
Etwas ernster ging es am Vormittag beim offiziellen Festakt, bei dem 1000 Rekruten angelobt wurde, zu. Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) nutzte seine Ansprache, um für sein Berufsheer zu werben, Bundespräsident Fischer plädierte dagegen für die Wehrpflicht. Das Staatsoberhaupt verwies darauf, dass das Bundesheer nach dem Zweiten Weltkrieg „auf Basis der allgemeinen Wehrpflicht mit der Aufgabe für das gesamte Volk, unser Land zu schützen“, aufgebaut wurde. Und diese Aufgabe erfülle es auf „professionelle Weise“, konterte Fischer dem Argument, dass ein Berufsheer mehr Professionalität bringen würde.
Darabos: Bundesheer müsse auf verändertes sicherheitspolitisches Umfeld ausgerichtet werden
Der Bundespräsident appellierte gleichzeitig an die Verantwortlichen, im Vorfeld der Volksbefragung „verantwortungsvoll zu handeln“ und „keine Gräben aufzureißen“. Denn es werde auch einen Tag nach dem 20. Jänner geben und man werde weiter zusammenarbeiten müssen. Darabos argumentierte seinerseits, dass es Veränderungen brauche, um die Qualität des Heeres abzusichern. Das Bundesheer müsse auf das veränderte sicherheitspolitische Umfeld ausgerichtet werden. Denn die Bedrohungen seien komplexer geworden. „Wer stillsteht, wer nicht in Bewegung bleibt und abwartet, verliert den Anschluss“, so Darabos.
Kranzniederlegung in der Krypta
Begonnen hatten die Feierlichkeiten mit der traditionellen Kranzniederlegung in der Krypta am Heldenplatz. Die Staatsspitze legte dabei ihre Kränze erstmals nicht vor dem Denkmal des „Toten Soldaten“ im Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege nieder, sondern vor einer Gedenktafel für im Einsatz verstorbene Soldaten des 1955 gegründeten Bundesheeres. Grund für den Ortswechsel: Bei einer Untersuchung des Denkmals waren zwei Schriftstücke gefunden worden, von denen eines eine Nazi-Huldigung des Bildhauers Wilhelm Frass enthielt.
Die Leistungsschau, die vom Verteidigungsministerium zum Ärger der Wehrpflicht-Befürworter unter dem Motto „Profis bringen Sicherheit“ gestellt wurde, zeigte neben Hubschraubern, Panzern und einem Eurofighter-Modell auch einzelne Spezialbereiche der Armee wie die Garde, die EU-Battle-Group, die Heeressportler, das Jägerbataillon 25, ABC-Spezialisten und einiges mehr. Am Rathausplatz wurde indes das Sicherheitsfest abgehalten, bei dem sich die Blaulichtorganisationen präsentierten.
Tausende bestaunten das Bundesheer
Ob für oder gegen die Wehrpflicht, die Leistungsschau des Bundesheeres hat wieder Hunderttausende in die Wiener Innenstadt gelockt. Nach Angaben des Bundesheeres wurden heuer wie schon im Vorjahr am Donnerstag und Freitag insgesamt 800.000 Besucher gezählt. Aufgrund des starken Andrangs kam es sogar zu kurzfristigen Netzausfällen.
Als Magnete – vor allem für männliche Besucher jeden Alters – erwiesen sich wieder die technischen Geräte und Waffen. Aber nicht alles am Heldenplatz war in Olivgrün. Es gab auch Obst- und Schmuckstände und jede Menge Luftballons, einzelne trugen Werbebotschaften, eine davon war vom Komitee für die Beibehaltung der Wehrpflicht.
Die Meinungen über die Wehrpflicht waren gemischt, wie das Publikum selbst. Während sich die einen für ein kleines Berufsheer aussprachen, fanden es andere gut, dass es den Wehr- und Zivildienst gibt. Die Touristen, die ebenfalls jedes Jahr am Nationalfeiertag zahlreich anzutreffen sind, zeigte sich von den innenpolitischen Diskussionen in Österreich freilich unbeeindruckt: „Ich kann mit dem ganzen militärischen Blödsinn nichts anfangen, aber interessant, was die an ihrem Nationalfeiertag machen“, meinte etwa eine junge Deutsche. (APA)
aktualisiert: Fr, 26.10.2012 15:25


In SPÖ rumort es weiter, FPÖ ist gespalten
