28.10.2012, 16:45 
International

Ausschreitungen nach Anschlag auf Kirche in Nigeria

Mindestens zehn Menschen wurden beim Anschlag und den darauf folgenden Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen getötet.
145 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt.
Foto: REUTERS

Abuja - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine katholische Kirche in Nigeria und anschließenden Ausschreitungen von Christen gegen Muslime sind mindestens zehn Menschen getötet und mehr als 140 weitere verletzt worden. Ein Mann wurde von einer aufgebrachten Menge bei lebendigem Leibe verbrannt, wie ein Korrespondent am Sonntag berichtete. In der Vergangenheit hatten Islamisten wiederholt Kirchen in Nigeria attackiert.

Ziel des Anschlags war die St. Rita-Kirche im nordnigerianischen Kaduna. Nach Behördenangaben riss der Selbstmordattentäter am Morgen sieben Gottesdienstbesucher mit sich in den Tod. Die Zahl der Toten könne noch steigen, sagte ein Sprecher. 145 Menschen seien bei dem Anschlag verletzt worden. Ein Augenzeuge gab an, der Täter sei mit einem Geländewagen durch die Kirchenmauer in den Vorraum des Gebäudes gerast. Dann habe es eine heftige Explosion gegeben.

Im Anschluss kam es in Kaduna zu Ausschreitungen. Mit Macheten und Stöcken griffen vorwiegend junge Christen Menschen an, die sie für Muslime hielten. Nahe der Kirche prügelten Angreifer auf den Fahrer eines Motorradtaxis ein und klemmten ihn unter seiner Maschine ein. Dann übergossen sie ihn mit Benzin und zündeten ihn an. Ein Vertreter der Rettungskräfte sagte, dass Sanitäter dem Mann nicht hätten helfen können, weil die Angreifer zu gewalttätig gewesen seien. Nahe der Kirche wurden zudem zwei weitere blutige Leichen gefunden.

In Kaduna, wo viele Christen leben, hatte es in der Vergangenheit bereits mehrere Anschläge gegeben, die der Extremistengruppe Boko Haram zugeschrieben wurden. Im Juni bekannten sich die Islamisten zu drei Selbstmordanschlägen gegen Kirchen in dem Bundesstaat, die zu tödlichen Ausschreitungen führten. Präsident Goodluck Jonathan warf der Gruppe in der Vergangenheit vor, eine religiöse Krise in Nigeria entfachen zu wollen. Nigeria ist in einen mehrheitlich muslimischen Norden und einen vorwiegend christlichen Süden unterteilt. (APA/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 28.10.2012  16:45
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