29.11.2012
Österreich

ÖGB schwingt vor Krampustag die Rute

Nach den geplatzten KV-Verhandlungen soll nun der Krampus am 5. Dezember den 55.000 Tiroler Angestellten im Handel ein Gehaltsplus bringen. Die Gewerkschaft spricht noch nicht von Streiks, erhöht aber den Druck.

Wien, Innsbruck – Vom Weihnachtsfrieden ist im österreichischen Handel noch lange keine Rede. Am späten Dienstagabend ist auch die fünfte und offiziell letzte Kollektivvertragsrunde für die 500.000 Angestellten im österreichischen Handel geplatzt. Am 5. Dezember, dem „Krampustag“ wird nun weitergefeilscht. Die Gewerkschaft will derweil kräftig die Rute schwingen und den Druck erhöhen. „Das Wort Streik möchte ich noch nicht in den Mund nehmen. Das wäre die nächste Eskalationsstufe“, sagt Tirols ÖGB-Chef Otto Leist: „Wir überlegen uns noch, mit welchen Maßnahmen wir die Arbeitgeber den Unmut spüren lassen, damit es ihnen wehtut. Wir beraten, ob wir konzentrierte Aktionen durchführen“, so Leist. Dies sei allerdings auf Grund der Struktur im Handel mit den zahlreich verstreuten Filialen sehr schwierig, räumt Leist ein. Sollte auch der Krampustag keine Einigung bringen, „dann würde sich der 8. Dezember wunderbar für Aktionen anbieten“, warnt Leist.

Die Gewerkschaft fordert für Beschäftigte, die bis 2100 Euro verdienen, ein Gehaltsplus von 3,5 % – mindestens jedoch 50 Euro. Wer mehr als 2100 Euro brutto monatlich verdient, soll ab Jänner 2013 3,45 % mehr bekommen. Den Arbeitgebern ist das zu viel. „Wir haben ein Paket auf den Tisch gelegt, das unsere Betriebe in Summe 500 Mio. Euro kostet“, so Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller. Das neue Angebot der Arbeitgeber sieht eine Gehaltserhöhung von 3,1 % für Beschäftigte mit einem monatlichen Einkommen bis 1400 Euro vor. Bis 1628 Euro soll das Plus 3 % betragen, darüber 2,85 %. Für Lehrlinge stehen 3 % im Raum.

Matthias Pöschl, Gremialgeschäftsführer in der Wirtschaftskammer Tirol und Mitglied im Verhandlungsteam, ist der Ansicht, dass die Arbeitgeber damit „ein faires Angebot gestellt haben. Mit drei Prozent Gehaltsplus liegen wir deutlich über der Inflationsrate“. Er glaubt nicht, dass die Aktionen der Gewerkschaft das österreichweit rund 1,6 Mrd. Euro schwere Weihnachtsgeschäft beeinträchtigen. „Wir brechen nicht in Panik aus. Ich habe keine Sorge, dass die Lage eskaliert und wir fürchten nicht um das Weihnachtsgeschäft“, so Pöschl. Er glaubt an einen Abschluss am Krampustag.

Aus den KV-Verhandlungen wurden derweil bestimmte Themen in eigene Arbeitsgruppen ausgelagert. Etwa der Streit um die sechste Urlaubswoche, die derzeit nur zusteht, wenn Mitarbeiter 25 Jahre durchgehend im selben Unternehmen arbeiten. Auch ist die so genannte Schwarz-Weiß-Regelung ein Thema, wonach Beschäftigte nur jeden zweiten Samstag arbeiten dürfen. Dies will der Handel laut Pöschl flexibler gestalten, damit etwa Mitarbeiter zwei Samstage in Folge arbeiten können.

Im endlosen KV-Streit könnten heuer damit die Arbeiter im Handel vor den Angestellten einen Abschluss erreichen. Für die 130.000 Handelsarbeiter geht es am 3. Dezember in die letzte Runde. (mas, APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 29.11.2012
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