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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 28.11.2012

Basistunnel auf dem Prüfstand

Von einer Erhöhung der Lkw-Maut will Bayern offenbar nichts wissen. Das Transportforum kritisiert den Brennerbasistunnel.

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Von Anita Heubacher

Innsbruck – Eine illustre Runde lud gestern zur Pressekonferenz nach Innsbruck. Durchleuchtet wurde der Brennerbasistunnel – von allen Seiten. Aus Sicht der Transportwirtschaft, der Fahrzeugindustrie, der Nachbarregionen und aus der Sicht des ehemaligen VP-Verkehrssprechers im Parlament, Ferdinand Maier. Dessen kritische Haltung zum Basistunnel hat ihn seinen Job gekostet. Maier hatte letztes Jahr gemeint, den Basistunnel könne man auch billiger bauen. Die Diskussion über den Tunnel gefiel LH Günther Platter gar nicht. Maier wurde von der ÖVP degradiert.

Gestern nun legte Maier nach und stellte den Tunnel erneut in Frage. Weder würden sich die Kosten abschätzen lassen, noch bringe das Projekt viele Arbeitsplätze, weil in erster Linie Maschinen eingesetzt würden, meinte er.

Die Kostenschätzungen für den Tunnel reichen von vier bis 60 Milliarden Euro, kritisierte der Sprecher des Transportforums, Bernhard Haid. „Kein Mensch weiß, was das Projekt kostet.“ Die Transportwirtschaft stehe dem Tunnel „völlig neutral“ gegenüber. Man werde auch künftig „dort fahren, wo es wirtschaftlicher ist“.

Die Politik will mit einer satten Straßenmaut den Frächtern den Tunnel schmackhaft machen. Tirol hat, was die Mauthöhe betrifft, den Plafonds bereits erreicht. Deshalb setzt die Landespolitik auf die Korridormaut. Soll heißen, Bayern und Südtirol müssen die Maut nach oben schrauben. Von bayerischer Seite klang das gestern ganz anders. „Derzeit wird sicher nicht daran gedacht, die Lkw-Maut zu erhöhen“, meinte Hans-Peter Böhner, leitender Ministerialrat im bayerischen Verkehrsministerium. Mehr Freude haben die Nachbarn mit dem Basistunnel. Den würde man grundsätzlich unterstützen. Sowohl in Bayern als auch in Südtirol braucht es Zulaufstrecken.

Völlig zu Unrecht geprügelt fühlt sich die Fahrzeugindustrie. Allein in die Entwicklung des saubersten Lkw der Euro-6-Klasse habe man acht Milliarden Euro gesteckt, erklärte Franz Weinberger, Sprecher der österreichischen Nutzfahrzeug-Importeure. Obwohl die Lkw immer leiser und sauberer geworden seien, dürften sie trotzdem nicht nachts durch Tirol durchfahren.

Wie viel Lkw zukünftig durch den Basistunnel fahren werden, beschäftigt das Transportforum auch. „Laut einer Schweizer Studie werden es 37 Lkw pro Tag sein, meinte Haid.

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