Nach Hangrutsch in Südtirol: Soforthilfe von einer Million Euro
Bozen - Der Großeinsatz rund um den Hangrutsch in Abtei geht weiter. Im Einsatz stehen 170 Einsatzkräfte mit 23 Fahrzeugen, darunter zehn Bagger, weil der Hang nach wie vor nicht zur Ruhe gekommen ist. So bestätigen die Geologen des Landes gegenüber „Südtirol News“ den seit den Morgenstunden unveränderten Verlauf des Erdrutsches und unterstreichen auch, dass dieser gleich jenem aus dem Jahre 1821 verlaufe.
Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) kündigte nach der Sitzung der Landesregierung in Bozen eine Soforthilfe von einer Million Euro an. Durnwalder berichtete zudem von Untersuchungen, wie die ganze Flanke von St. Leonhard bis St. Kassian gesichert werden könne. Vermutlich müssten alle Zufahrtsstraßen, aber auch Trink- und Abwasser-, Gas-, Telefon- und Stromleitungen verlegt werden.
16.000 Liter chemische Substanzen hat die Feuerwehr Abtei am Sonntag sicherheitshalber von der vom Hangrutsch betroffenen Kläranlage abtransportiert. Dazu wird weiter mit Hochdruck an einer Verlängerung des Gader-Bypasses gearbeitet. Inzwischen sei auch der Gaderbach auf einer Länge von 200 Metern durch Rohre umgeleitet worden. Grund sei die Gefahr einer Verklausung durch das Material.
Nach dem Hangrutsch im Gemeindegebiet Abtei im Südtiroler Gadertal hat die Staatsanwaltschaft Bozen die Ermittlungen aufgenommen. Vier Häuser wurden zerstört, 36 Personen mussten evakuiert werden. Einerseits sollen eine mögliche Fahrlässigkeit und Versäumnisse vonseiten der Behörden untersucht, andererseits die Baugenehmigungen unter die Lupe genommen werden, hieß es am Sonntag auf der Homepage von „Südtirol News“ unter Berufung auf einen Zeitungsbericht.
Schaden in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro
„Zurzeit warten wir noch auf den detaillierten Bericht der Carabinieri zu den Geschehnissen der vergangenen Tage“, wurde Staatsanwalt Guido Rispoli in der Tageszeitung „Alto Adige“ zitiert. Im Rahmen der Untersuchungen soll unter anderem geprüft werden, ob zum Zeitpunkt der Vergabe der Genehmigungen die geologische Beschaffenheit in dem betreffenden Gebiet ausreichend untersucht worden sei. Ersten Schätzung zufolge sollen durch den Hangrutsch bis dato Schäden in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro entstanden sein.
Die Verunsicherung der Bevölkerung wegen des enormen Hangrutsches in Abtei ist groß, der Informationsbedarf genauso. Deshalb organisieren Land und Gemeinde am Montag um 17 Uhr eine Informationsveranstaltung für alle interessierten Bürger.
Donnerstagnachmittag hatte sich der Hang in Bewegung gesetzt. Die Bewohner von zehn Wohnhäusern, insgesamt elf Familien, wurden von der Freiwilligen Feuerwehr Abtei mit Einsatz-und Pistenfahrzeugen in Sicherheit gebracht. Die Nacht auf Freitag war laut Land Südtirol ruhig verlaufen, bevor sich tagsüber die Lage zuspitzte und vier Häuser zerstörte. (tt.com, APA)
aktualisiert: Mo, 17.12.2012 14:28


