„Große Mengen Kupfer sind sehr verdächtig“
![]()
Je nachdem, wie rein das Kupfer ist, kostet das Buntmetall derzeit bis zu knapp sechs Euro pro Kilogramm. Besonders rein und damit gut bezahlt werden etwa geschälte Elektrokabel.Foto: APA/Fohringer
Foto: TT / Thomas Böhm
|
||
Spektakuläre Kupferdiebstähle in Tirol 2012
Kufstein. Auf frischer Tat ertappt werden am 8. November Kupferdiebe in Brixlegg. Das Quartett war von einem Zeugen beobachtet worden. Die vier Täter hatten rund 200 Kilo Kupferabfälle für den Abtransport vorbereitet. Ein Pole kann festgenommen werden, drei Täter flüchten.
Reutte. Am 8. Oktober wird der Diebstahl von 1600 Metern Kupfer mit einem Gewicht von rund 700 Kilogramm bei der Außerfernbahn entdeckt. Unbekannte Täter hatten auf einer Strecke von 23 Kilometern bei rund 350 Masten die Erdungsseile abgeklemmt und sie mitgenommen. Eine Nacht später schlagen erneut Diebe zu. Sie stehlen Erdungsseile auf der Strecke von Ehrwald Richtung Grenze bei weiteren rund 45 Masten.
Rinn, Leutasch. Anfang Oktober montieren Diebe rund 35 Meter Regenrinnen bzw. -rohre vom Gebäude des Sportplatzes in Rinn ab. In Leutasch reißen Diebe Regenrinnen und ca. zehn Quadratmeter Kupferverkleidung von einem Schulgebäude.
Innsbruck. Etwa 100 Meter Kupferkabel im Wert von 2000 bis 3000 Euro locken Ende Februar Diebe auf einen umzäunten Lagerplatz in Innsbruck. Als sich die drei Männer an einer Kabeltrommel zu schaffen machen, ruft ein Zeuge die Polizei. Das Trio wird festgenommen.
Wien – Ob Firmengelände, Friedhöfe oder Gleisanlagen des öffentlichen Verkehrs: Wo Kupfer ist, sind Diebe oft nicht weit, wie spektakuläre Kupferplünderungen heuer zeigten. Der Diebstahl von Buntmetall – zu dem Kupfer zählt – hat sich laut Sicherheitsbericht des Innenministeriums in Österreich als „permanentes Kriminalitätsfeld“ etabliert. Wenn sich die meist aus dem benachbarten Ausland agierenden Täter an Erdungskabeln von Bahnlinien zu schaffen machen, sind die Folgeschäden besonders hoch.
Gegenüber Cyberkriminellen haben die Buntmetalldiebe vergleichsweise banale Methoden: „Da liegt das Diebesgut auf der Straße zum Abholen bereit. Oder zum leichten Abmontieren“, sagt der Direktor des Bundeskriminialamts (BKA) Franz Lang. Dazu kommen „immens günstige Geschäftsvoraussetzungen“. Jeder könne Kupfer oder Altmetall verkaufen, ohne Identitätsnachweis oder Herkunftsnachweis für das verkaufte Gut.
Mit diesem Problem kämpfen auch Tirols Altmetallhändler. Kupfer werde ihnen täglich zum Kauf angeboten, nicht alles aber auch angenommen, erzählt Stefan Gächter vom Metallhandel Grassmayr in Innsbruck. Rücke jemand mit einer verdächtig großen Menge an, werde er weggeschickt. Zu groß sei das Risiko, sich unfreiwillig der Hehlerei schuldig zu machen, erzählt der Innsbrucker.
In den ersten neun Monaten 2012 wurden österreichweit 1182 Anzeigen wegen Kupferdiebstahls registriert, im ganzen Jahr 2011 waren es 1569. Laut BKA-Chef Lang ist bei der Zahl der Fälle eindeutig ein Zusammenhang mit dem Weltmarktpreis für Kupfer gegeben. Nach einem ersten Hoch 2007 und 2008 gab es 2009 mit 443 Anzeigen ein Tief. Die Kupferpreise waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls im Keller.
Dennoch: „Die auf solche Art gestohlenen Mengen stehen in keiner Relation zu den Kosten, welche die Wiederherstellung dann erfordert“, sagt BKA-Sprecher Mario Hejl. Immer wieder wurden etwa die ÖBB in den vergangenen Jahren Opfer von Kupferdiebstählen. 2,4 Millionen Euro betrug der Schaden 2011 und im ersten Halbjahr 2012 bereits 1,3 Millionen. Großteils haben es die Kriminellen dabei auf die Erdungskabel abgesehen, sagte ÖBB-Sprecher Herbert Ofner. Diese meist rund drei Meter langen Kabel werden nicht selten über mehrere Kilometer von Hunderten Masten abgeklemmt. Bei einem Kupferpreis, der sich derzeit auf knapp unter sechs Euro pro Kilo für reines Kupfer bewegt, sind bei dieser Variante des Buntmetalldiebstahls auch einige Mengen vonnöten.
Aber auch wenn für österreichische Verhältnisse nicht viel Profit beim Kupferdiebstahl herausschaue, „in unseren östlichen Nachbarländern ist es meist bereits ein Monatseinkommen“, stellt Hejl die Relationen dar. Denn beim Diebstahl von Buntmetall würden die Täter großteils im Ausland geortet – vorwiegend in Ungarn, aber auch Bulgarien und Rumänien.
Um dieser Delikte Herr zu werden, betreibt das Bundeskriminalamt deshalb seit 2012 eine enge Kooperation mit den ungarischen Behörden, da ein großer Teil des Diebesguts nach Ungarn transportiert und dort veräußert wird. Mit Bulgarien tauscht man sich über Interpol aus, ebenso arbeitet man mit einem Verbindungsbeamten zusammen.
Die ÖBB griffen indes zur Selbsthilfe. Nachdem etwa Mitte Oktober auf der Strecke der Tiroler Außerfernbahn 1600 Meter Kupfer mit einem Gewicht von rund 700 Kilogramm gestohlen wurden, indem man auf einer Strecke von 23 Kilometern bei rund 350 Masten die Erdungsseile abzwickte (siehe Kasten links), werden jetzt Erdungsseile aus Stahl-Aluminium eingesetzt, wenn dies technisch möglich ist, da diese auf dem Rohstoffmarkt einen geringeren Wert haben.
Wie teuer Kupferdiebstähle die betroffenen Verkehrsbetrieben kommen, zeigt eine Ende Jänner 2012 geklärte Serie von Diebstählen bei den Wiener U-Bahnlinien: Zehn derartige Delikte verursachten damals einen Schaden in sechsstelliger Höhe. (sta, APA)


