24.12.2012, 22:09  Aktualisiert: 25.12.2012, 14:34 
Weihnachten im Vatikan

Papst Benedikt spendet vor Tausenden Segen „Urbi et Orbi“

Am Christtag hat Papst Benedikt XVI. vor den versammelten Gläubigen auf dem Petersplatz Weihnachtsgrüße in vielen Sprachen verlesen.
Papst Benedikt XVI. sprach von der Mittelloggia des Petersdomes zu den Gläubigen und spendete den Segen „Urbi et Orbi“.
Foto: REUTERS

Vatikanstadt - Papst Benedikt XVI. hat am ersten Weihnachtsfeiertag den apostolischen Segen „Urbi et Orbi“ - der Stadt und dem Erdkreis - gespendet. Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom und Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt verlas er in 65 Sprachen Weihnachtsgrüße.

Eindringlich forderte Benedikt ein Ende der Gewalt im Bürgerkriegsland Syrien. „Noch einmal rufe ich dazu auf, das Blutvergießen zu beenden, die Hilfeleistungen für die Flüchtlinge und Evakuierten zu erleichtern und auf dem Weg des Dialogs eine politische Lösung für den Konflikt zu verfolgen.“

Hoffnung nicht aufgeben

An die Konfliktparteien im Nahen Osten appellierte er, allzu vielen Jahren der Kämpfe und Spaltungen ein Ende zu setzen und mit Entschiedenheit den Verhandlungsweg einzuschlagen. Die Menschen in den Umbruchstaaten im Norden Afrikas forderte der Papst auf, gemeinsam Gesellschaftsformen aufzubauen, die auf Gerechtigkeit und Achtung der Freiheit und der Würde jedes Menschen gegründet seien. Dies gelte besonders für Ägypten, dieses geschätzte und durch die Kindheit Jesu gesegnete Land, wie Benedikt betonte.

Papst Benedikt forderte die Menschen auf, die Hoffnung nicht zu verlieren. Selbst in Krisenländern wie Syrien, Nigeria und Mali sollten die Gläubigen die Hoffnung nicht aufgegeben. Er rief erneut zu einem Ende der Gewalt auf.

Auf Deutsch sagte der Papst: „Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!“

Sorge um Lage in Nahost prägte Christmette in Rom

Die Sorge um die Menschen in den Krisengebieten des Nahen Ostens haben die Christmetten in Rom und Bethlehem geprägt. Papst Benedikt XVI. rief im Petersdom zum Frieden im Nahen Osten auf. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, forderte in Bethlehem alle „Politiker und Gutwilligen“ auf, sich „inmitten des Leidens im Nahen Osten“ entschlossen für Frieden und Versöhnung einzusetzen.

Kein Platz mehr für Gott

In der festlich geschmückten Basilika rief das Oberhaupt der katholischen Kirche die Menschen zur Abkehr von Materialismus und Ich-Bezogenheit auf. „Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir“, sagte er. Das betreffe auch unser Denken und Fühlen. „Wir wollen das fassbare Glück, den Erfolg unserer eigenen Pläne und Absichten. Wir sind mit uns selbst vollgestellt, so dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden.“Wo aber Gott „vergessen oder gar geleugnet“ werde, gebe es keinen Frieden.

In seiner Predigt appellierte Benedikt XVI. an die weltweit 1,1 Milliarden Katholiken, für Israelis und Palästinenser sowie für die Menschen im Libanon, in Syrien und dem Irak zu beten.

Eindringlich forderte der Papst Frieden im Heiligen Land. „Beten wir in dieser Stunde für die Menschen, die heute dort leben und leiden. Beten wir darum, dass dort Friede sei. Beten wir darum, dass Israelis und Palästinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten können.“

Zugleich forderte Benedikt ein Ende der Gewalt in der ganzen Region. „Beten wir auch für die umliegenden Länder, für den Libanon, für Syrien, den Irak und so fort: dass dort Friede werde“, sagte er. „Dass die Christen in diesen Ländern des Ursprungs unseres Glaubens dort ihr Zuhause behalten können, dass Christen und Muslime im Frieden Gottes miteinander ihre Länder aufbauen.“

Wachsamkeit gegenüber dem Missbrauch von Religion

Gleichzeitig rief das Oberhaupt der katholischen Kirche zur Wachsamkeit gegenüber dem Missbrauch von Religion auf. Es sei „wahr, dass in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand für Intoleranz und Gewalt gedient“ habe. Aber auch „wenn Missbrauch der Religion“ in der Geschichte unbestreitbar sei, so „ist es doch nicht wahr, dass das Nein zu Gott den Frieden herstellen würde“.

Wie schon in den Jahren zuvor hatte die zweistündige Christmette aus Rücksicht auf den 85-jährigen Papst bereits um 22.00 Uhr MEZ begonnen. Benedikt XVI. legte den Weg durch die große Kirche erneut auf einem rollenden Podest zurück, um sich nicht zu überanstrengen.

Nach den Worten seines Bruders Georg Ratzinger ist Benedikt fit für die anstrengenden Gottesdienste und Predigten zu Weihnachten. „Er ist gesundheitlich in Ordnung, er fühlt sich noch frisch“, sagte der 88-Jährige dem Bayerischen Rundfunk (BR).

Am ersten Weihnachtsfeiertag spendet der Papst dann traditionell den festlichen Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis).

Für Frieden, Stabilität und Freiheit beten

In der neben der Geburtskirche gelegenen Katharinen-Kirche in Bethlehem forderte der lateinische Patriarch von Jerusalem besondere Kraftanstrengungen für den Frieden im Nahen Osten. „Nur Frieden und Gerechtigkeit im Heiligen Land“ könne für Stabilität in der Region und der Welt sorgen, sagte Twal. Er rief alle Gläubigen auf, auch für Frieden, Stabilität und Freiheit in Syrien, Ägypten, dem Libanon, Irak und Sudan zu beten. Der 72-jährige aus Jordanien stammende Würdenträger ist der höchste Repräsentant des Vatikan im Heiligen Land.

An der Messe nahmen unter anderem der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas, sein Ministerpräsident Salam Fayyad sowie der jordanische Außenminister Nasser Jaudeh teil. Twal würdigte den Einsatz des palästinensischen Präsidenten und des jordanischen Königs Abdallah für die Anerkennung der Palästinenser als Beobachterstaat bei den Vereinten Nationen. Dies dürfte ein „entscheidender Schritt zu Frieden und Sicherheit“ in der Region sein, sagte er. (APA/dpa/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 24.12.2012  22:09
aktualisiert: Di, 25.12.2012  14:34
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