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USA

Run auf Waffen ungebrochen - Abgeordnete für strengeres Gesetz

Das Geschäft rund um Waffen, Gewehre und Pistolen läuft in den USA ungebrochen weiter. US-Abgeordnete beider Parteien unterstützen hingegen die Forderung nach schärferen Waffengesetzen.

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Washington - Auch nach dem jüngsten Schulmassaker ist der Run auf automatische oder halbautomatische Waffen in den USA ungebrochen. Waffenmessen in mehreren US-Staaten lockten am Wochenende unzählige Besucher an. An den Eingängen bildeten sich lange Schlangen und die Verkaufsstände waren dicht umlagert. Selbst höhere Preise schreckten die Kunden nicht ab. Manche Geschäfte waren sogar ausverkauft.

Besonders gefragt waren Händlern zufolge Sturmgewehre vom Typ AR-15. Unter anderem eine solche Waffe aus dem Besitz seiner Mutter soll der Täter von Newtown benutzt haben, um 20 Grundschüler und sechs Erwachsene umzubringen. Präsident Obama hatte nach dem Massaker im Staat Connecticut eine Verschärfung des Waffenrechts ins Gespräch gebracht, was die mächtige Lobby von der National Rifle Association umgehend zurückwies.

„Alle Welt will Sturmgewehre“, sagte die Waffenhändlerin Shirley Donley auf einer Messe im Bundesstaat Pennsylvania. Seit dem Amoklauf von Newtown habe sie davon 100 Stück abgesetzt. „Ich bin ausverkauft.“ Derartige Waffen können in schneller Folge feuern. Von 1994 bis 2004 waren der Verkauf bestimmter Sturmgewehre und von Magazinen mit mehr als zehn Schuss Munition nicht erlaubt. Unter Obamas Vorgänger George W. Bush lief das Verbot allerdings aus.

Seit dem Massaker von Newtown sind die Preise für Sturmgewehre geradezu explodiert. So berichtete ein Käufer, dass er für eine AR-15 mehr als 900 Dollar (694,23 Euro) habe zahlen müssen. Vor einem Jahr seien dafür noch weniger als die Hälfte verlangt worden. Die meisten Modelle hätten 1500 Dollar und mehr gekostet.

Einige der AR-15-Käufer hätten ihr verfassungsgemäßes Recht auf Waffenbesitz demonstrieren wollen, sagte ein Händler. Verkäufer wie Kunden stellten sich hinter den Vorschlag der Waffenlobby, vor den Schulen bewaffnete Posten einzusetzen.

Abgeordnete für schärfere Waffengesetze

Demokraten und Republikanern haben in den USA ihre Bereitschaft für eine Verschärfung der Waffengesetze signalisiert. Dabei geht es um einen Vorschlag, ein ausgelaufenes Gesetz wiederzubeleben, das die Zahl der Kugeln in einem Magazin auf zehn begrenzen würde.

Dianne Feinstein, demokratische Senatorin aus Kalifornien, hatte die Idee am Sonntagabend (Ortszeit) im Fernsehsender CBS aufgeworfen. In der Folge äußerten auch von republikanische Senatoren und überzeugte Waffenbefürworter ihre Zustimmung.

UN wollen erneut über Waffenabkommen beraten

Die Vereinten Nationen wollen erneut über ein Abkommen zur Regulierung des internationalen Waffenhandels beraten. Die UN-Vollversammlung stimmte am Montag dafür, im März über einen entsprechenden Entwurf zu verhandeln. Im Sommer waren die Gespräche ohne Ergebnis geblieben. UN-Delegierte warfen damals US-Präsident Barack Obama vor, wegen des Wahlkampfes ein Abkommen verhindert zu haben. Die mächtige amerikanische Waffenlobby-Organisation NRA ist strikt gegen das Vorhaben und hat die US-Regierung unter Druck gesetzt, den Vertrag abzulehnen, obwohl nur Exporte betroffen wären.

Mit dem Abkommen soll der internationale Handel mit konventionellen Waffen besser kontrolliert werden. Darunter fallen Rüstungsgüter wie Kriegsschiffe, Panzer oder Maschinengewehre. Die US-Regierung will nach eigenem Bekunden den illegalen Waffenhandel bekämpfen und zugleich darauf achten, dass rechtmäßige Geschäfte nicht beeinträchtigt werden. (APA/Reuters/sda)

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