Geheimnisvolle Lichttechnik der Zukunft
Von Stefan Eckerieder
Winston-Salem – Eine Plastikglühlampe, die in jeder Form herstellbar, dabei unzerbrechlich, frei von Giften, geräuschlos, flimmerfrei und dazu auch noch billig ist. So vielversprechend klingt die Lichttechnik, die bald den Beleuchtungsmarkt revolutionieren soll.
Seitdem beschlossen wurde, die Glühbirne abzuschaffen, bleibt die Frage nach einem Nachfolger für die 170 Jahre alte Beleuchtungstechnik weiter offen. Die anfänglich von der EU und auch von Umweltorganisationen wie Greenpeace forcierte Energiesparlampe ist bei den Konsumenten wenig beliebt. Die lange Anlaufzeit, bis sie ihre volle Leuchtkraft entfaltet, und das flimmernde, blasse Licht stoßen bei den Konsumenten auf wenig Gegenliebe. Außerdem befindet sich in den neuen Lampen eine kleine Menge Quecksilber. Deshalb soll die Energiesparlampe auch im Sondermüll landen. Das ist vielen aber zu umständlich. So sickert das Gift über Deponien in das Erdreich und verseucht den Boden und das Grundwasser. Auch Greenpeace hat das Problem mittlerweile erkannt und der Energiesparlampe ihre Unterstützung entzogen. Aufgrund der stolzen Preise konnten sich bislang aber auch die LEDs noch nicht endgültig am Markt durchsetzen.
Eine echte Alternative wollen Wissenschafter der Wake Forest University in North Carolina 2013 auf den Markt bringen. Die effiziente FIPEL soll der ungeliebten Funzel Konkurrenz machen. Die Technologie der „feldinduzierten elektrolumineszenten Polymere“ (Field-Induced Polymer Electroluminescent) besteht aus mehreren Schichten Kunststoff, der mit einer kleinen Menge Nanopartikel versetzt ist. Diese werden durch Strom in Schwingung versetzt und beginnen zu leuchten. Das Lichtspektrum der Leuchte soll dem der Sonne sehr nahekommen und dadurch eine angenehme Wirkung auf das menschliche Auge haben. Der Energieverbrauch soll sich im niedrigen Bereich der LEDs bewegen.
Mauricio Esguerra, der technische Leiter des Tiroler Leuchtenherstellers Eglo, sieht viel Potenzial in der neuen Technologie: „Wenn die FIPEL das hält, was ihre Erfinder versprechen, ist das sicher ein Meilenstein in der Lichttechnik. Da sie fast nur aus Plastik besteht, ist sie sehr billig herzustellen und könnte dadurch der Energiesparlampe und den LEDs Konkurrenz machen.“
Die Experten sind sich jedoch noch nicht darüber einig, ob sich die Elektrolumineszenz-Polymere wirklich am Markt wird durchsetzen können. „Der Kunde ist vom Angebot derzeit überfordert. Zuerst kam die Energiesparlampe und kurz darauf die LED. Jetzt ist plötzlich von OLEDs und FIPEL die Rede. Ich glaube, es wird einige Jahre dauern, bis man sagen kann, wohin sich der Markt entwickelt“, sagt Esguerra.
Bisher hatte noch niemand die Gelegenheit, die neue Technik zu testen. Laut FIPEL-Projektleiter David Carroll soll bereits seit zehn Jahren im Labor eine Leuchte einwandfrei arbeiten, doch den Beweis dafür blieben die Erfinder bislang schuldig. Wilfried Pohl, Entwicklungsleiter beim Innsbrucker Beleuchtungsspezialisten Bartenbach, hält auch eine PR-Aktion der Entwickler nicht für ausgeschlossen: „Normalerweise bekommen wir in der Branche etwas von neuen Entwicklungen am Markt mit. Von der FIPEL habe ich jedoch das erste Mal durch die jüngsten Medienberichte erfahren.“
In den letzten Jahren habe es immer wieder neue Entwicklungen gegeben, die sich letztendlich aufgrund unterschiedlichster Probleme nicht am Markt durchsetzen konnten.
Pohl und Esguerra glauben, dass die nahe Zukunft den LEDs gehört. Diese würden schon bald technisch völlig ausgereift sein und mit einem wettbewerbsfähigen Preis die Energiesparlampe vom Markt verdrängen. Ob und welche Rolle die FIPEL in Zukunft einnimmt, wird sich zeigen, wenn sie tatsächlich nächstes Jahr im Laden erhältlich ist.


