Frauen verdienen 40 Prozent weniger – Heinisch: Alle gefordert
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Frauenministerin Heinisch-Hosek.
Foto: TT / Thomas Boehm
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Wien - Frauen verdienen weniger als Männer, das ist keine bloße Behauptung, sondern hat erst kürzlich der jüngste Einkommensbericht des Rechnungshofs wieder bewiesen. 1998 betrug das mittlere Bruttojahreseinkommen von Frauen im Vergleich zu jenem der Männer rund 60 Prozent. 2011, 13 Jahre später, betrug dieser Wert unverändert 60 Prozent des Vergleichswerts der Männer. Als „Scheitern“ der Frauenpolitik will Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) dies nicht gewertet wissen, viel eher fordert sie alle Ressorts und die Gesellschaft auf, die „wichtigsten Puzzlesteine“ - wie Kinderbetreuung oder Arbeitsbewertung - zusammenzusetzen.
2011 erzielten Männer ein Medianeinkommen von 30.690 Euro, Frauen kamen auf 18.549 Euro. Ein Teil der Einkommensdifferenz lässt sich mit dem unterschiedlichen Beschäftigungsaufmaß erklären. Frauen arbeiten zu einem wesentlichen Prozentsatz in Teilzeit und verdienen dadurch auch weniger. Jedoch erklären die kürzeren Arbeitszeiten bei weitem nicht die gesamten Einkommensunterschiede, heißt es im Bericht. Werden nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte in die Analyse einbezogen und damit Effekte wie Teilzeit ausgeschaltet, erhalten Frauen im Mittel nur 81 Prozent der Männereinkommen.
Frauen sind in schlecht bezahlten Berufen und dort überproportional teilzeitbeschäftigt. Unter den Hilfsarbeitskräften verdienen Frauen im Mittel lediglich 54 Prozent des Medianeinkommens der Männer. Weit geringer fällt der Einkommensnachteil der Frauen bei den Fachkräften in der Land- und Forstwirtschaft aus, wo das weibliche Medianeinkommen immerhin 89 Prozent des Einkommens der Männer erreicht.
Der Rechnungshof stellte auch einen Vergleich von Stundenverdiensten auf. Hier ist der Einkommensnachteil bei Führungskräften, bei Anlagen- und Maschinenbedienern und in Handwerksberufen am größten. Frauen erzielen dort nur 77 Prozent, 75 Prozent bzw. 74 Prozent des Stundenverdienstes der Männer. In Dienstleistungsberufen erreichen Frauen hingegen 95 Prozent in Relation zu Männern.
„Wir haben erschreckende 50 Prozent Frauen in Teilzeit, das hat auch mich schockiert, denn wir waren schon mit 45 Prozent hoch“, stellte Heinisch-Hosek gegenüber der APA fest. Jede vierte dieser Betroffenen würde gerne aufstocken, kann dies aber nicht aufgrund von Kindererziehung oder Pflegeaufgaben. Eins greift ins andere, so die Ministerin: „Da geht es nicht nur um Frauenpolitik, sondern auch um Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik, Wirtschaftspolitik und Familienpolitik.“
Alle Ressorts seien gefragt, dazu gehöre etwa die Kinderbetreuung und eine bessere Bewertung jener Branchen in denen hauptsächlich Frauen arbeiten. „Ich sehe überhaupt nicht ein, warum man die Arbeit am Menschen geringer bewertet als die Arbeit an der Maschine“, so die Frauenministerin . Erfreulich sei lediglich, dass es dort wo es Quotenregelungen und Frauenförderpläne gibt, „nahezu keine Unterschiede existieren“, verweist Heinisch-Hosek auf den Öffentlichen Dienst und appelliert an die Privatwirtschaft: „Fürchtet euch nicht vor Frauenförderung und Quotenregelungen. Es bringt euch ökonomisch etwas.“ (APA)
aktualisiert: So, 30.12.2012 07:49


