„Rache für Mali“: Islamisten nehmen Ausländer als Geiseln in Algerien
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Bei einer Geiselnahme auf einem Gasfeld im Osten Algeriens hat eine Gruppe radikaler Islamisten mehrere Ausländer in ihre Gewalt gebracht
Foto: Reuters
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Algier, Oslo, London - In Algerien haben Al-Kaida nahe Islamisten als Vergeltung für Frankreichs Intervention in Mali zahlreiche Ausländer gefangen genommen. Bei einem Überfall auf einem Erdgasfeld im Süden des nordafrikanischen Landes wurden offenbar auch drei Menschen getötet, darunter ein Franzose und ein Brite. Unter den Geiseln sind offiziell US-Bürger und 13 Norweger.
In ungeklärten Berichten war von sieben Amerikanern und zudem von fünf Japanern, mehreren Briten, einem Franzosen und einem Iren die Rede. Viele von ihnen sollen noch auf dem Gelände des Gas-Felds sein. Zu dem Angriff bekannte sich die Al-Kaida nahe Gruppe AQIM. Sie sprach von 41 Geiseln. Dies sei Rache dafür, dass Algerien Frankreich für den Militäreinsatz im Nachbarland Mali Überflugrechte gewährt habe.
Algerien schloss Verhandlungen mit den Geiselnehmern aus. Auch werde man nicht auf Forderungen eingehen, sagte Innenminister Daho Ould Kablia der Nachrichtenagentur Agentur APS. Französischen und algerischen Kreisen zufolge ist Algeriens Armee in der Nähe der Anlage. Die mauretanische Agentur ANI berichtete, die Islamisten hätten erklärt, die Anlage sei von Sicherheitskräften Algeriens umstellt.
Sollte es Versuche zur Befreiung der Geiseln geben, werde dies „ein tragisches Ende“ nehmen. Eine Geisel habe berichtet, die Umzäunung der Anlage sei vermint worden. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg rief die algerische Regierung auf, nichts zu tun, was Leben oder Gesundheit der Geiseln gefährden könnte.
„Gesegnete Expedition zur Bekämpfung der Juden und Kreuzritter“
„Unsere gesegnete Expedition ist Teil eines internationalen Feldzugs zur Bekämpfung der Juden und Kreuzritter“, erklärte die AQMI. „Wir machen die Regierungen Algeriens und Frankreichs und der Geiseln voll verantwortlich für jede Verzögerung bei der Erfüllung unserer Forderungen, deren wichtigste die sofortige Einstellung des Angriffs auf unser Volk in Mali ist.“
Nach Angaben des algerischen Innenministeriums fuhren die Angreifer im Morgengrauen schwer bewaffnet mit drei Fahrzeugen an einer unter anderem von der britischen BP, der norwegischen Statoil und der algerischen Sonatrach betriebenen Gas-Anlage vor. Der Agentur APS zufolge wurden ein Brite und ein algerischer Wachmann getötet. Örtlichen Medien zufolge starb zudem ein Franzose bei dem Angriff. Algerische Arbeiter in der Anlage hätten indes gehen können. BP erklärte am Nachmittag, Teile der Anlage nahe der Grenze zu Libyen und rund 1300 Kilometer von der Hauptstadt Algier entfernt seien noch immer von Bewaffneten besetzt. Es sei äußerst schwierig, Kontakt herzustellen.
Die mauretanische Agentur Ani, die oft Kontakt zu Islamisten hat, berichtete weiter, die Geiseln würden von Islamisten unter dem Kommando von Mochtar Belmochtar gefangengehalten. Belmochtar hatte jahrelang Al-Kaida-Kämpfer in der Sahara angeführt. Ende vergangenen Jahres gründete er seine eigene Islamisten-Miliz.
Die USA erklärten am Abend, unter den Geiseln seien Bürger ihres Landes. Die genaue Zahl bliebt zunächst offen. US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte nach Angaben ihres Hauses mit dem algerischen Ministerpräsidenten Abdelmalek Sellal. In Oslo erklärte Ministerpräsident Jens Stoltenberg, 13 Bürger seines Landes würden von militanten Islamisten in der Anlage festgehalten.
Weitere Racheakte von Islamisten befürchtet
Nach dem Angriff wächst die Sorge, dass Frankreichs Einsatz in Mali weitere Racheakte von Islamisten gegen westliche Ziele in Afrika nach sich ziehen könnte. Auch stellt sich die Frage, welche Auswirkungen der Angriff auf den Energiesektor Algeriens haben wird. Europa bezieht ein Viertel seiner Erdgas-Einfuhren aus dem Land und viele Millionen Barrel Erdöl pro Jahr.
Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass ein Angriff auf die Gas-Anlage erst durch den Umsturz in Libyen 2011 möglich wurde. Denn erst dadurch hätten Al-Kaida nahe Kräfte Zugang zu schweren Waffen bekommen, die für einen Angriff wie jetzt erforderlich seien.
Frankreich hatte am Freitag den sechsten Tag in Folge Einsätze in Mali geflogen, nachdem es sich offenbar sorgte, die islamistischen Aufständischen könnten in den Kämpfen mit den malischen Regierungstruppen die Oberhand gewinnen und auf die Hauptstadt Bamako zumarschieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte, die Lage in Mali könne schnell zu einer Bedrohung für Europa werden.
(APA/AFP/Reuters/dpa/sda)
aktualisiert: Do, 17.01.2013 07:13


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