Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Blutige Krawalle

Armee übernahm Kontrolle in ägyptischer Stadt Port Said

Auslöser der jüngsten Gewaltwelle ist ein Gerichtsurteil: 21 Fans der örtlichen Fußballmannschaft Al-Masri wurden am Samstagmorgen wegen der Beteiligung an tödlichen Übergriffen auf Anhänger des gegnerischen Klubs Al-Ahli vor einem Jahr zum Tode verurteilt.

drucken

Kairo - Nach den blutigen Ausschreitungen mit mehr als 30 Toten in Port Said hat die Armee die Kontrolle über die ägyptische Hafenstadt übernommen. Soldaten bewachten am Sonntag öffentliche Gebäude und sensible Orte, während tausende Menschen die Opfer vom Vortag zu Grabe trugen. Die Gewalt war am Samstag eskaliert, nachdem ein Gericht 21 Todesurteile gegen Fußballfans wegen der tödlicher Krawalle in Port Said im vergangenen Jahr verhängt hatte.

Erneut Krawalle in Port Said

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Kairo wurden bei den Ausschreitungen in Port Said 31 Menschen getötet. Sie dauerten in der Nacht zum Sonntag an, Ärzten zufolge wurden alle Opfer mit scharfer Munition getötet. Die Armee gab an, keine derartige Munition eingesetzt zu haben.

Am Rande einer Trauerkundgebung für die Opfer der tödlichen Krawalle in Port Said kam es am Sonntag erneut zu Ausschreitungen. Wie Augenzeugen berichteten, setzte die Polizei Tränengas ein. Auch Schüsse seien zu hören gewesen. Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera zeigte Demonstranten, die Steine auf Sicherheitskräfte warfen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind dabei mindestens 110 Menschen verletzt worden.

Eine Panik brach aus, als während der Beerdigung von Opfern Schüsse zu hören waren, deren Ursprung jedoch unklar war. Laut Staatsfernsehen waren bei den Beerdigungen keine Sicherheitskräfte zugegen.

Die Krawalle waren am Samstag kurz nach Bekanntwerden des Richterspruchs gegen die Fußballfans ausgebrochen. Angehörige der Verurteilten versuchten, deren Gefängnis zu stürmen. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören. Am Gerichtsort in Kairo brach nach Verkündung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer der Krawalle von 2012 aus.

Ausschreitungen auch in Kairo

In Suez versuchten Demonstranten laut Augenzeugen, das Hauptquartier der Polizei zu stürmen. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Tränengas sein. Am Freitag waren in der Stadt bei gewaltsamen Protesten anlässlich des zweiten Jahrestags des Volksaufstands gegen den langjährigen Präsidenten Hosni Mubarak acht Menschen getötet worden. Auch in anderen Städten gab es Ausschreitungen, darunter am Sonntag auch in Kairo.

Wegen der Ausschreitungen nach dem Fußballspiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said im Februar 2012 hatten sich vor dem Gericht in Kairo insgesamt mehr als 70 Menschen verantworten müssen, darunter neun Polizisten. Die Urteile gegen weitere Angeklagte sollen am 9. März fallen.

Die damaligen Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Den Sicherheitskräften wurde später vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt.

Das größte Oppositionbündnis Nationale Heilsfront drohte mit einem Boykott der nächsten Parlamentswahl, sollte die islamistische Regierung nicht eine „umfassende Lösung“ für eine Beilegung der politischen Krise finden. Der Nationale Verteidigungsrat unter Vorsitz von Staatschef Mohammed Mursi rief zur Ruhe und zu einem nationalen Dialog auf. (APA/dpa)

drucken