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Innenpolitik

Kärnten-Wahl: Das BZÖ kämpft ums politische Überleben

Schafft Parteichef Josef Bucher in seinem Heimatland keine fünf Prozent, wird auch der Verbleib im Nationalrat sehr unwahrscheinlich.

Klagenfurt - Das BZÖ kämpft bei der Landtagswahl am 3. März in Kärnten nicht nur um den Einzug in den Landtag, sondern um nichts weniger als das politische Überleben. Die am 4. April 2005 vom damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider von der FPÖ abgespaltene Partei hat seit der Rückkehr der Kärntner Freiheitlichen in den Schoß der FPÖ im Dezember 2009 kein einziges Bundesland, in dem es über eine schlagkräftige Organisation verfügt. Schafft Parteichef Josef Bucher in seinem Heimatland keine fünf Prozent, wird auch der Verbleib im Nationalrat sehr unwahrscheinlich.

Mit der Gründung des „Bündnis Zukunft Österreich“ hatte sich Haider vor knapp acht Jahren nicht nur des rechten Flügels der bis dahin von ihm dominierten FPÖ entledigt, sondern ganz nebenbei auch der beträchtlichen Schulden der Partei. Die Kärntner Landes-Blauen folgten ihm fast geschlossen ins orange Lager, in den anderen Bundesländern funktionierte Haiders Plan aber nicht. Die meisten FPÖ-Funktionäre blieben blau, das BZÖ wurde damit zu einer Kärntner Angelegenheit. 2006 bei der Nationalratswahl rettete denn auch nur ein starkes Wahlergebnis im südlichsten Bundesland dem Bündnis haarscharf den Einzug in den Nationalrat.

Zwei Jahre später, im Herbst 2008, trat Haider selbst als Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl an und schaffte überraschend 10,7 Prozent, womit die Orangen vor den Grünen lagen. Spitzenkandidat in Kärnten war damals übrigens Josef Bucher, der mit Haider in der Parteizentrale in Klagenfurt mit Prosecco auf den Erfolg anstieß. Wenige Wochen später war Haider tot und das BZÖ musste sich neu finden. Nach einem Kurzgastspiel von Haiders ehemaligem Pressesprecher Stefan Petzner als Parteichef übernahm Herbert Scheibner interimistisch die Parteiführung. Im April 2009 wurde Bucher schließlich zum Bündnisobmann gekürt. In Kärnten hatte Uwe Scheuch Haiders Funktion als Landesparteichef übernommen, Gerhard Dörfler das Amt des Landeshauptmannes.

Mit der starken Kärntner Landesgruppe wähnte sich Bucher gut gerüstet für den politischen Überlebenskampf am Wiener Parkett, doch es kam anders. Bereits im Spätsommer des gleichen Jahres verdichteten sich Gerüchte, wonach Scheuch die Kärntner Orangen wieder erblauen lassen wolle. Im Oktober 2009 wurden diesbezügliche Verhandlungen mit Heinz-Christian Strache noch wütend dementiert, zwei Monate später war es dann aber soweit. Scheuch und Strache verkündeten die Einigung, aus dem BZÖ in Kärnten wurde die FPK - und wieder zog der Großteil der Funktionäre widerspruchslos mit.

Nicht so Bucher und Petzner, sie blieben dem BZÖ treu und gründeten sich im Jänner 2010 auch in Kärnten neu. Der Aufbau von Strukturen gestaltete sich - auch aus Geldmangel - eher zäh, der Zulauf hielt sich in Grenzen. Und auch auf Bundesebene musste Bucher Rückschläge einstecken. Die meisten Kärntner Abgeordneten wechselten mit Scheuch, zwei traten aus, und mit dem Einstieg des Milliardärs Frank Stronach in die Politik verloren die Orangen weitere Mandatare. Von den 21 Mandataren sind aktuell im BZÖ-Klub nur noch 13 übrig. Nachdem die Ergebnisse der Orangen in den meisten Bundesländern - so sie überhaupt bei Wahlen antreten - katastrophal sind, ist Kärnten wohl ihre letzte Chance. (APA)